Alfredo Palacio - "Herzspezialist für Ecuador"

2. März 2006, 15:57
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Kardiologe will sich von politischem Establishment distanzieren: "Ich werde mich von niemandem gängeln lassen"

Quito - Ecuadors neuer Präsident Alfredo Palacio verlor keine Zeit, dem Volk seine wichtigste Botschaft mitzuteilen. "Ich bin kein Politiker", versprach der hoch gewachsene 66-jährige Kardiologe auf seiner ersten Pressekonferenz. So ganz stimmt das natürlich nicht. Immerhin gewann Palacio gemeinsam mit dem am Mittwoch aus dem Amt gejagten bisherigen Präsidenten Lucio Gutierrez die Wahl 2002 und war von Jänner 2003 bis Mittwoch Vizepräsident. Aber die politische Klasse des verarmten Anden-Staates hat derart abgewirtschaftet, dass Palacio sich von ihr so weit wie möglich absetzen will.

Palacio: "Ich werde mich von niemandem gängeln lassen"

"Ein Herzspezialist für das im Koma liegende Ecuador" titelte eine große Zeitung in Quito. "Ich werde mich von niemandem gängeln lassen", betonte Palacio. Zugleich sagte er eine Regierung "nicht unter Beteilung von Politikern, sondern unter Beteiligung des Volkes" zu. Wie das gehen soll, ließ er offen.

1939 geboren

Palacio wurde am 22. Jänner 1939 in Guayaquil, dem Wirtschafts- und Finanzzentrum des Landes am Pazifik, geboren. Dort arbeitete er lange als Kardiologe und unterrichtete an der Universität. Auch in innenpolitische Debatten mischte er sich häufig ein und machte sich dabei oft Forderungen der Armen zu eigen.

Einer Partei schloss er sich jedoch nicht an und trat bei der Wahl 2002 nach eigenen Angaben nur deshalb gemeinsam mit Gutierrez an, weil dieser eine grundlegende Reform des Staates versprochen hatte. Als Gutierrez stattdessen die Politik seiner Vorgänger fortsetzte und die Oligarchen unangetastet ließ, wurde Palacio zu einem seiner schärfsten Kritiker und forderte wiederholt dessen Rücktritt. (APA/dpa)

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