Österreich präsentiert sich in Peking

2. Mai 2005, 11:27
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Bundeskanzler Schüssel eröffnete Leistungsschau der österreichischen Wirtschaft in chinesischer Hauptstadt

Peking - Die österreichische Wirtschaft hat sich am Donnerstag mit einer Leistungsschau dem chinesischen Fachpublikum präsentiert. Chinas Vizehandelsminister Chang Chigang lobte in seinen Eröffnungsworten das hohe Niveau der österreichischen Technologie und lud österreichische Firmen ein, in den Entwicklungsgebieten Nordostchinas zu investieren.

"Showcase Austria"

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der im Rahmen seines offiziellen Chinabesuchs die Schau unter dem Motto "Showcase Austria" eröffnete, betonte, Österreich brauche die Hilfe Chinas, um sich Drittmärkten zu eröffnen.

Zugleich warb der Bundeskanzler für jene Sektoren, wo Österreich Topqualität anzubieten hat. Schüssel nannte neben der Umwelt- und Wassertechnologie die Netzwerke für Universitäten und Fachhochschulen und das Projekt eines Technologiezentrums. Er nützte das Wirtschaftsforum, China zu drängen, Österreich bei den Importen von der Liste der "BSE-Länder mit Fragezeichen" zu streichen.

Auf der Leistungsschau im Peking-Hotel präsentierten Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und WKÖ-Vizepräsident Richard Schenz Österreich als Wirtschafts- und als Technologiestandort. Auch Betriebe aus dem Tourismusbereich stellten sich vor.

Workshops

Workshops befassten sich im Detail mit chancenreichen Sektoren wie Umweltschutztechnik und erneuerbare Energien, Verkehr und Infrastruktur bzw. Technologietransfer. Das Thema Erneuerbare Energien zog die meisten Interessenten an, erklärte der österreichische Handelsdelegierte in Peking, Kurt Müllauer.

Andererseits befürchtet Müllauer, dass Österreich drauf und dran sei, auf dem Automobilzuliefersektor seine Chancen zu verpassen. China sei für diese Produkte weltweit der drittgrößte Markt.

Investitionen von 97 Millionen US-Dollar

Das chinesische Handelsministerium beziffert die von Österreich getätigten Investitionen auf rund 97 Mio. US-Dollar. Eine Reihe österreichischer Firmen, besonders im Industrie- und Anlagenbau, ist auf dem chinesischen Markt bereits gut eingeführt.

Die Andritz AG lieferte 2004 ein Rollenwalzwerk und eine weitere Anlage im Gesamtwert von 50 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr 2004 generierte Andritz 21 Prozent seines weltweiten Umsatzes in China. Die VA Tech-Gruppe erwirtschaftet durchschnittlich 380 Mio. Euro pro Jahr im Reich der Mitte.

Werke in China errichtet haben Ebner Industrieofenbau und Wittmann Kunststoffgeräte. Die voestalpine Gießerei schloss 2004 ein Joint Venture für die Stahlgussproduktion.

Der steirische Leiterplattenhersteller AT&S trieb 2004 den Endausbau der Fabrik in Shanghai voran, ein zweites Werk mit einer Investitionen von 100 Mio. Euro ist geplant. 14 Prozent des Konzernumsatzes wurden in China erzielt.

Auf dem Umweltsektor ist Austria Environment & Energy seit acht Jahren aktiv, fast 30 Prozent des Firmenumsatzes entfallen auf China. Die Lenzing AG errichtet in Nanking eine Produktionsstätte für Viskosefasern. Den Spartenstich für das Werk mit einer geplanten Jahreskapazität rund 60.000 Tonnen wird Bundeskanzler Schüssel am kommenden Montag vornehmen.

Marktnischen für mittelständische Unternehmen

Mittelständische österreichische Firmen treten in China in ganz spezifischen Marktnischen auf. Ein Beispiel dafür ist der Stempelproduzent Trodat aus Wels, der zwei Mio. Stempel pro Jahr in China, das ist 10 Prozent der Trodat-Gesamtproduktion. Die Firma will mit ihren spritzgußgefertigten umweltfreundlichen Produkten den chinesischen Stempelmarkt modernisieren.

Große Hoffnungen auf dem Chinamarkt macht sich die österreichische Tourismusbranche. Derzeit kommen rund 240.000 Chinesen nach Österreich. Diese Zahl soll bis 2007 verdoppelt werden. Laut Josef Stockinger, dem Chef des Pekinger Büros der Österreich Werbung, gehört Österreich für die konsumfreudigen Chinesen "in die Musikabteilung".

2004 weilten insgesamt rund 600.000 chinesische Touristen in Europa, die jeweils mehrere Länder besuchen. Die Visa für Gruppenreisen werden über das so genannte ADS-System abgewickelt. In Österreich sind derzeit 91 Reisebüros in diese Gruppenreisen-Regelung eingebunden. (APA)

  • Bundeskanzler Wolfgang Schüssel trifft auf seinem Chinabesuch auf reges Interesse.
    foto: der standard

    Bundeskanzler Wolfgang Schüssel trifft auf seinem Chinabesuch auf reges Interesse.

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