Hochschülerschaft rechnet nicht mit Studentenansturm

5. Juli 2005, 13:15
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Stellvertretende ÖH-Vorsitzende Fuchs: Höchstens 100 bis 200 deutsche Studenten zusätzlich - Gespräch mit Gehrer, "oder sie kann uns gleich abschaffen"

Selbst nach einer möglichen Aufhebung der österreichischen Universitäts-Zugangsregelung durch den Europäischen Gerichtshof (EuGH) rechnet die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) nur mit 100 bis 200 zusätzlichen deutschen Studenten in Österreich. "Deswegen den freien Hochschulzugang zu kippen, wäre eine zu harte Maßnahme", betonte die stellvertretende ÖH-Vorsitzende Patrice Fuchs (Verband Sozialistischer StudentInnen/VSStÖ) gegenüber der APA. Darüber hinaus sei die Hoffnung, dass der EuGH doch für Österreich entscheide, in den vergangenen Tagen gestiegen.

Derzeit dürfen EU-Bürger, die kein österreichisches Maturazeugnis besitzen, nur in Österreich studieren, wenn sie auch in ihrem Heimatland einen Studienplatz haben. Sollte der EuGH diese Regelung aufheben, wird befürchtet, dass eine große Zahl deutscher Studenten, die auf Grund des deutschlandweiten Numerus Clausus (NC) in den Fächern Medizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Biologie, Psychologie, Pharmazie keinen Studienplatz haben, an österreichischen Unis inskribieren. Darüber hinaus gibt es an zahlreichen deutschen Hochschulen auch von den einzelnen Unis eingerichtete NC-Regelungen.

In anderen Staaten mit Zugangsbeschränkungen würden außerdem in Relation mehr Studienplätze zur Verfügung stehen als etwa an den Medizin-Unis in Österreich, argumentierte Fuchs. Hierzulande würde das Geld aber offenbar lieber für die Forschung bereitgestellt - "das ist prestigeträchtiger". Die Einführung von Zugangshürden sei auch nicht unbedingt ein Mittel für die von der Regierung angestrebte Hebung der Akademikerquote. Wenn "wirklich die Massen kommen" würden, müsse Österreich auf ein europaweites Mobilitätsprogramm drängen, für das alle Staaten eine gemeinsame Regelung für den Universitätsbereich erarbeiten, so Fuchs.

Kritik übte Fuchs an der Rolle der Rektoren, die "keine besonders schöne" sei. Derzeit würden nicht Volksvertreter, sondern 21 Einzelpersonen über die Universitätspolitik entscheiden, die nicht vom Wähler legitimiert seien. Den Rektoren komme strukturell ein zu großer Spielraum zu, so müssten sie etwa auf Grund des ihnen zur Verfügung stehenden Budgets ganz anders zu sozialen Fragen stehen als vom Volk gewählte Politiker.

In der Frage des Uni-Zugangs setzt die ÖH auch auf Aktionismus: Derzeit würden Lebensläufe einiger wichtiger Persönlichkeiten erstellt und deren Schul- und Studienverlauf mit ihrem weiteren Lebensweg verglichen, so Fuchs. Dann würde sich zeigen, ob es unbedingt einen Konnex zwischen schnellem Studium und Karriere gebe.

Gleichzeitig drängt die ÖH auf einen Gesprächstermin mit Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V): Wenn diese nicht einmal beim Thema Uni-Zugang mit der gewählten Studentenvertretung spreche, "kann sie uns gleich abschaffen", meinte Fuchs. Eher zurückhaltend ist die Hochschülerschaft beim neuen ÖH-Wahlrecht: "Es ist schwierig, einerseits zur Wahl aufzurufen und andererseits das Gesetz zu kritisieren. Wir wollen ja doch, dass die Leute wählen gehen." Trotzdem werde man das Wahlrecht weiter thematisieren - sowohl das Gesetz selbst als auch dessen mangelhafte konkrete Umsetzung. (APA)

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