Zertifikate: Wie Rolling-Discount-Zertifikate funktionieren

26. Mai 2005, 19:53
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Das Ziel ist langfristiger, kontinuierlicher Vermögensaufbau - Von Walter Kozubek

Schon seit einigen Jahren können sich Anleger, die sich mit einem "normalen" Aktienkauf nicht zufrieden geben wollen, von den Vorteilen von Discountzertifikaten überzeugen. Bei allen Vorzügen haben diese Zertifikate nur einen gravierenden Nachteil: die Laufzeit von Discountzertifikaten ist leider begrenzt! Dadurch entstehen im Falle einer Wiederveranlagung Transaktionskosten, die sich im Lauf der Zeit ganz ordentlich zu Buche schlagen können. Die UBS Investmentbank konnte mit der Erfindung des ersten Discountzertifikates, das keine Laufzeitbegrenzung aufweist, einen Ausweg aus dieser Spesenfalle finden.

Discountzertifikate als Ausgangsbasis für Rolling Discounts

Der Sinn von Discountzertifikaten besteht darin, dass man mittels dieser Zertifikate einzelne Aktien oder Indizes billiger kaufen kann, als es an der Börse zum gleichen Zeitpunkt möglich wäre. Dieser Abschlag oder Discount auf den tatsächlichen Kurswert des Basiswertes wird allerdings mit dem begrenztem Gewinnpotenzial des Discountzertifikates erkauft. Auch dann, wenn der Basiswert bei Fälligkeit des Zertifikates weit oberhalb des vordefinierten Höchstbetrages (Cap) notiert, wird maximal der Höchstbetrag ausbezahlt. Der Rabatt bei Discountzertifikaten kommt dadurch zu Stande, dass der Emittent eine Kaufoption (Call), die genau so lange wie das Discountzertifikat läuft, verkauft. Je mehr der verkaufte Call wert ist, desto größer der Discount, da der Verkaufspreis des Calls als Discount an den Käufer des Zertifikates weitergegeben wird.

Für die zukünftige Rendite eines Discountzertifikates spielt die Auswahl des richtigen Höchstbetrages eine wesentliche Rolle (der Cap ist mit dem Strikepreis der geschriebenen Call-Option identisch). Liegt die Höhe des gewählten Caps ungefähr auf dem aktuellen Kursniveau des Basiswertes, spricht man davon, dass sich der Cap am Geld befindet. Derart ausgestattete Discountzertifikate spielen ihre Stärken in seitwärts tendierenden Märkten am besten aus. Liegt der Cap unterhalb des aktuellen Kursniveaus, wird das Discountzertifikat in schwächeren Marktphasen wesentlich besser abschneiden, als der direkte Aktienkauf. Liegt der ausgewählte Cap oberhalb des aktuellen Kurses, wird das Zertifikat vor allem bei leicht steigenden Kursen optimale Veranlagungsergebnisse liefern.

Open End durch Roll Over-Transaktionen

Die begrenzte Laufzeit von Discountzertifikaten ist für Langfristinvestoren ein Wermutstropfen bei den sonst allseits beliebten Discountzertifikaten. Die Anlagestrategie der Rolling-Discountzertifikate basiert auf dem Grundsatz, dass kontinuierlich in Discountzertifikate mit Restlaufzeit von einem Monat investiert wird, deren Cap beispielsweise immer am Geld liegen muss. Diese monatlichen Transaktionen werden als Roll Overs bezeichnet, da die alte, auslaufende Position in die neue Position "weitergerollt" wird. Daher auch die Bezeichnung Rolling-Discountzertifikate.

Schreiben die Emissionsbedingungen des jeweiligen Rolling-Discounts vor, dass der Cap immer am Geld liegen muss, wird der Cap immer am aktuellen Kursniveaus des Basiswertes liegen. Bei anderen Rolling Discountzertifikaten ist beispielsweise vordefiniert, dass bei ihnen die neuen Caps unterhalb oder oberhalb des aktuellen Marktniveaus angesiedelt sein müssen. Eine andere Kategorie von Rolling Discount Zertifikaten überlässt die Auswahl des Caps vordefinierten charttechnischen Ereignissen.

Man sieht also, dass der Phantasie der Emittenten bei der Ausgestaltung der Rolling-Discountzertifikate keinerlei Grenzen gesetzt sind. Der monatliche Investitionszyklus gewährleistet, dass der Cap, wo immer er angesiedelt sein mag, immer dem aktuellen Marktgeschehen angepasst ist.

Konkurrenzlos bei Seitwärtsbewegung

Wie auch normale Discountzertifikate, spielen die Rolling-Discounts ihre wahre Stärke in seitwärts tendierenden Marktphasen aus. Würde sich eine Aktie, die man sich in der Hoffnung auf Kurssteigerungen ins Depot gelegt hat, ein ganzes Jahr überhaupt nicht vom Fleck bewegen, hätte der Anleger mit diesem Investment wahrscheinlich keine all zu große Freude. Außer einer möglichen Dividende wäre mit solch einer Aktie nichts zu verdienen gewesen. Der Inhaber eines Rolling Discounts kann sich sogar im Fall eines Kursstillstandes seines Basiswertes über Kursgewinne seines Veranlagungsinstrumentes freuen, da sich die monatlich vereinnahmten Discounts positiv auf dessen Wert auswirken. Daher sind Rolling-Discounts vor allem in länger andauernden Konsolidierungsphasen anderen Anlageform bei weitem überlegen.

Puffer in fallenden Märkten

Wenn sich der Kurs des Basiswertes auf Talfahrt begibt, wird auch der Inhaber eines Rolling-Discountzertifikates Verluste erleiden – aber in einem geringeren Ausmaß als der Inhaber des Basiswertes. Da das Discountzertifikat billiger als der Basiswert ist, fällt auch der Verlust geringer aus als bei einem Direktinvestment. Der günstigere Kaufpreis fungiert in diesem Fall als Sicherheitspuffer, der moderate Kursverluste des Basiswertes oftmals mehr als kompensieren kann.

Underperformance in der Kursrally

Setzt der Basiswert hingegen zu einer Kursrally an, wird der Rolling-Discount in der Performance nachhinken. Wie jeden Monat wird der das Open End-Discountzertifikat seine mehr oder weniger regelmäßigen Erträge erzielen. Durch den Cap ist aber das Aufwärtspotenzial eines Discountzertifikates in Haussephasen limitiert. Gerade in solchen Börsesituationen kommt aber der Vorteil der Rolling-Discounts voll und ganz zum Tragen, da der Cap im nächsten Monat wieder den dann marktgerechten Kursen angepasst wird. Ein normales Discountzertifikat befände sich nach einer ordentlichen Kursrallye bereits so tief im Geld, dass der Discount üblicherweise nicht mehr besonders interessant wäre.

Regelmäßige Erträge bei geringer Schwankungsbreite

Die Erfahrung zeigt, dass sich Rolling-Discountzertifikate vor allem für langfristig orientierte Anleger eignen, die sich nicht um das tägliche Börsegeschehen kümmern wollen, aber dennoch nicht auf die überdurchschnittlichen Renditen, die in den Aktienmärkten schlummern, verzichten wollen. Wegen ihrer Konstruktion machen Rolling-Discounts die Kurssprünge des Basiswertes nur in abgeschwächter Form mit. Daher werden diese kontinuierlichen Kurssteigerungen mit wesentlich geringerer Schwankungsbreite als mit einer Veranlagung im Basiswert erzielt.

Fazit: Obwohl das Konzept der Rolling-Discounts wegen der anhaltend niedrigen Volatilitäten nur relativ bescheiden Renditen zulässt, sind diese Zertifikate vor allem für Anleger mit langfristigem Veranlagungshorizont interessant. Rolling-Discounts werden deshalb auch bei vielen Zertifikate-Sparplänen angeboten.

Walter Kozubek ist Herausgeber vom ZertifikateReport

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