Roter Rauch für Blair

5. Mai 2005, 23:06
1 Posting

Konservatives Boulevard-Blatt "Sun" ruft zur Wahl des Premiers auf - Blair verteidigt erneut Irak-Krieg im Wahlkampf

London/Wien - "Die Augen der Welt richteten sich am Dienstag Abend auf den Rauchfang der 'Sun', als wir unsere Unterstützung für die Labour Party bekanntgaben", schreibt das für seine drastischen Kampagnen bekannte und an sich eher konservativ orientierte britische Boulevardblatt am Donnerstag. Das war wohl etwas übertrieben - aber zumindest in der unmittelbaren Umgebung sorgte der leuchtend rote Qualm, der am Vorabend aus dem Rauchfang am Dach des "Sun"-Gebäudes im Londoner Stadtteil Wapping quoll, für reges Interesse.

Angesichts des Einflusses des Massenblattes ist die Festlegung auf Labour eine wichtige Landmarke im britischen Wahlkampf. Mit einer täglichen Auflage von mehr als drei Millionen Exemplaren ist das im Eigentum des australischen Medienzaren Rupert Murdoch befindliche Blatt ein wesentlicher Machtfaktor im Land. Die Entscheidung für Blair sei in Honorierung seiner Wirtschaftspolitik und seiner Reform des Wohlfahrtsstaates gefallen, erklärte "Sun"-Innenpolitik-Chef Trevor Kavanagh im ebenfalls zum Murdoch-Imperium gehörenden TGV-Sender "Sky News" - aber auch "und vor allem wegen dem Irak. Wir glauben, dass sein Mut, die USA zu unterstützen und gegen den Irak in den Krieg zu ziehen, gewürdigt werden muss."

Die "Sun" hatte Blair auch in den beiden letzten Wahlkämpfen unterstützt, zwischendurch aber gegen viele seiner Vorhaben kampagnisiert., so etwa die stärkere EU-Integration Großbritanniens.

Blair verteidigt erneut Beteiligung Großbritanniens an Irak-Krieg

Blair hat indessen die Beteiligung des Landes am Irak-Krieg mitten im Wahlkampf erneut als "richtige" Entscheidung verteidigt. In einem am Donnerstag in der linksliberalen Zeitung "The Independent" erschienenen Interview räumte der Premierminister jedoch im Hinblick auf den Waffengang an der Seite der USA - nicht zum ersten Mal - ein, es gebe Themen, die ein "Albtraum sind, welche Entscheidung man auch trifft". Blair hat wegen des Kriegs gegen Saddam Hussein deutlich an Popularität unter den Wählern eingebüßt.

"Wenn Sie wollen, dass ich mich für den Krieg im Irak entschuldige, dann fürchte ich, ich kann nicht sagen, dass es mir Leid tut, Saddam Hussein entfernt zu haben", sagte Blair in einem Interview mit dem Rundfunksender BBC. Er habe die Entscheidung als Premierminister treffen müssen, weil es seiner Meinung nach im Interesse des Landes war. Er wehrte sich auch erneut gegen den Vorwurf, im Vorfeld des Krieges einen Bericht über irakische Massenvernichtungswaffen aufgebauscht zu haben. "Ich hatte niemals auch nur den Hauch eines Zweifels daran, dass Saddam Massenvernichtungswaffen besaß." (APA/dpa/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Premier Tony Blair verteidigt die Beteiligung des Landes am Irak-Krieg als "richtige" Entscheidung.

  • Artikelbild
    foto: screenshot
  • Das britische Boulevardblatt "The Sun" lässt roten Rauch für Blair aufsteigen.
    foto: screenshot

    Das britische Boulevardblatt "The Sun" lässt roten Rauch für Blair aufsteigen.

Share if you care.