TV-Soaps haben enormes Einflusspotenzial - auch medizinisch

2. Mai 2005, 18:31
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Studie: Viele Menschen imitieren die Krankheiten aus ihrer Lieblings-Soap - häufig wird vor dem Gang zum Arzt eine "Selbstdiagnose" gestellt

London - Jeder dritte Patient imitiert die Krankheiten, die er aus seiner Lieblings-Soap kennt. Neun von zehn Ärzten berichten, dass ihre Patienten über Symptome klagen, die sie aus dem Fernsehen, Zeitungen und Magazinen erfahren. Dadurch sei bei den Patienten eine gewisse Paranoia erkennbar, die darin endet, dass die Patienten bereits eine Selbstdiagnose gestellt haben, noch bevor sie überhaupt vom Arzt untersucht wurden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Norwich Union Healthcare Centers. Darüber hinaus sucht ein Drittel der Patienten ärztlichen Rat bei Bekannten und Familienmitgliedern.

Von den 1.000 befragten Personen gab ein Drittel an, dass sie bei Beschwerden ihre Symptome vor allem mit Freunden und der Familie besprechen, in medizinischen Büchern Rat suchen und Informationen über Hotlines und das Internet einholen. Doch vor allem das Fernsehen und die Printmedien tragen wesentlich zur medizinischen "Bildung" bei.

Verantwortung

"Die detaillierte Darstellung von Krankheiten in den Medien ermuntert die Patienten zur Selbstdiagnose. Programmverantwortliche und Journalisten haben dadurch eine immense Verantwortung und sollten eine möglichst realistische, authentische und vor allen Dingen wahre Aufbereitung von medizinischen Themen sicherstellen", erklärte Studienleiter Doug Wright. "Für die Ärzte mögen diese Ergebnisse nicht erfreulich sein. Doch sie zeigen auch, dass Soaps ein enormes Einflusspotenzial besitzen und das Gesundheitsbewusstsein ihrer Zuseher positiv beeinflussen können", resümierte Wright. (pte)

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