Wiener Lehrlinge wagten Schritt nach Osteuropa

21. April 2008, 14:27
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Im Rahmen einer Austauschaktion als Teil eines EU-geförderten Bildungs-Programmes konnten fünf Wiener Lehrlinge Praktika in Bratislava absolvieren

Was für große Konzerne meist bereits Routine ist, haben nun auch Wiener Lehrlinge gewagt: Den Schritt nach Osteuropa. Im Rahmen eines Austauschprogramms absolvieren derzeit fünf junge Burschen aus Wien ein Auslandspraktikum in Preßburg (Bratislava). Sie sind in den Branchen Kommunikationstechnologie, Maschinenbau und Kraftfahrzeugtechnik tätig. Der "Retourbesuch" ist ebenfalls bereits organisiert. Sechs Lehrlinge aus Bratislava werden sich im Juni auf den Weg nach Wien machen.

Lob für Lehrlinge

Der Auftakt ist jedenfalls positiv verlaufen, wie sich Norbert Scheed, Vorstandschef des Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds (WAFF), bei einem Besuch bei seinen "Schützlingen" überzeugen konnten. Die slowakischen Schulverantwortlichen bzw. Betreuer waren voll des Lobes über die Lehrlinge aus Wien. Und auch die Jugendlichen selbst zeigten sich begeistert.

Suche nach Lehrstelle entfällt

"Wir würde gerne länger hier bleiben", meinte einer aus der Gruppe. Vor allem das slowakische System der Ausbildung hat es den jungen Männern (Frauen haben sich für den Austausch nicht beworben) angetan. Lehrlinge in der Slowakei besuchen eine Fachschule, die sich auch um die Praktika kümmert. Die Suche nach einem Lehrplatz entfällt, ein echtes duales Ausbildungssystem gibt es nicht.

"Bei uns lernst nix"

"Hier kümmern sich die Lehrer um uns, bei uns in der Schule lernst nix", lautete ein Kommentar. Wobei die Schüler in der Slowakei sich nicht an Vorgaben ihrer Anstalt halten müssen, sondern auch selbst einen Praktikumsplatz suchen können - falls sie sich die Mitarbeit in einem speziellen Unternehmen wünschen.

Allerdings hat das österreichische System auch seine Vorzüge, wie die Wiener Lehrlinge eingestanden - zum Beispiel solche finanzieller Natur. Denn sie bekommen im Gegensatz zu ihren Kollegen in Preßburg ein Gehalt. An ihrem Austauschplatz sind sie damit sogar wohlhabend. "Ich verdiene mehr als mein Meister hier", berichtete einer.

Begleitender Sprachkurs

Die Austauschaktion ist Teil eines WAFF-Qualifizierungsprogrammes, das heimische Unternehmen den Schritt auf die Märkte nach Mittel- und Osteuropa erleichtern soll. Die Lehrlinge absolvieren ein dreiwöchiges Praktikum, vorwiegend im handwerklich/gewerblichen Bereich. Fix dazu gehört auch ein Sprachkurs. Untergebracht sind die Lehrlingen im Schüler- und Lehrerheim der Berufsschule Bratislava.

Fachkräfteaustausch geplant

Für den Retourtausch stehen Fördermittel für sechs Lehrlinge zur Verfügung. Voraussichtlich werden diese aus dem Automobilbereich (Automechaniker, Autoelektriker, Lackierer) kommen. Die Lehrlinge aus Preßburg sollen im Juni in Wien ihr Praktikum antreten. Geplant ist später auch ein Fachkräfteaustausch.

Insgesamt werden für das Programm rund eine Mio. Euro eingesetzt. 500.000 Euro kommen je zur Hälfte von der EU sowie von der Gemeinde Wien und dem WAFF. Darüber hinaus stellt der Fonds noch zusätzlich rund 500.000 Euro für die Förderung von Mitarbeiterschulungen (Hauptgewicht Fachspracherwerb) in Wiener Klein- und Mittelbetrieben mit Exportorientierung in osteuropäische Staaten zur Verfügung. (APA)

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WAFF
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    foto: standard/fischer
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