Sparkurs bringt VW besseres Ergebnis - Interesse an neuem "Papamobil"

9. Mai 2005, 13:23
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Rückgänge im ersten Quartal in China belasten Gesamtkonzern - Vorstandsneuling Bernhard soll schon ab Mai VW-Gruppe leiten

Wolfsburg - Volkswagen, Europas größter Autokonzern, hat im ersten Quartal 2005 dank seines harten Sparkurses seinen Gewinn verbessert. Das Nachsteuerergebnis lag bei 70 Millionen Euro, nach 26 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das teilte Volkswagen kurz vor der VW-Hauptversammlung am Donnerstag in Hamburg mit. Das operative Ergebnis stieg um mehr als 40 Prozent auf 464 Millionen Euro, der Umsatz dagegen sank um 2,4 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro.

Dämpfer in China

Zu schaffen macht dem Konzern derzeit vor allem das Geschäft in China. Im wichtigsten Auslandsmarkt sanken die Auslieferungen an Kunden von Jänner bis März um fast ein Drittel auf 115.000 Fahrzeuge. Die Schwäche in China sorgte auch konzernweit für ein Minus bei den Auslieferungen, und zwar um 1,9 Prozent auf 1,18 Millionen Fahrzeuge.

Ohne China stünde der Konzern hier mit mehr als drei Prozent im Plus. Im Gesamtjahr will der Konzern auf Grund zahlreicher neuer Modelle - etwa den neuen Passat - bei den Auslieferungen aber den Vorjahreswert von 5,079 Millionen Fahrzeugen übertreffen.

Zur Ergebnisentwicklung in China machte VW keine Angaben. 2004 war das operative Ergebnis der chinesischen Gesellschaften von 561 auf 222 Millionen Euro zurückgegangen. 2005 drohen Volkswagen nach einer Studie des Investmenthauses Goldman Sachs in China Verluste von mindestens 400 Millionen Euro.

Zu spät auf Marktveränderungen reagiert

Kritiker werfen VW vor, in China zu spät auf Marktveränderungen reagiert und den Vertrieb vernachlässigt zu haben. Mit Spannung werden auf der Hauptversammlung daher Aussagen von VW-Chef Bernd Pischetsrieder zum China-Geschäft erwartet.

Die wichtigsten Automobilmärkte seien vergleichsweise schwierig ins Jahr gestartet, hieß es am Mittwochabend. Auch für die kommenden Monate gehe Volkswagen nicht von einer "wesentlichen Veränderung" aus. Zudem werde der Preisdruck anhalten. Belastend wirkten sich außerdem der schwache Dollar und die hohen Rohstoffpreise aus.

"ForMotion"

Eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und der Kostenstruktur soll das Anfang 2004 eingeleitete Sparpaket "ForMotion" bringen. Volkswagen äußerte sich am Mittwoch "zuversichtlich", im laufenden Jahr das Einsparziel von 3,1 Milliarden Euro zu erreichen. 2004 hatte der Konzern mit "ForMotion" bereits 1,6 Milliarden Euro eingespart.

Der Konzern bekräftigte am Mittwochabend, das operative Ergebnis nach Sondereinflüssen werde sich im laufenden Jahr im Vergleich zu 2004 verbessern - um wie viel, hänge von "heute nicht prognostizierbaren externen Umständen" ab.

VW hatte die Bekanntgabe wesentlicher Quartalszahlen um mehr als eine Woche vorverlegt. Der vollständige Zwischenbericht soll am 29. April veröffentlicht werden.

Wolfgang Bernhard neuer Markenchef

Der frühere DaimlerChrysler-Manager Wolfgang Bernhard wurde zum neuen Markenchef berufen und soll die Kernmarke sanieren. Der 44-jährige war als Sanierer der besonders unter Ertragsschwäche leidenden Hauptmarke VW nach Wolfsburg geholt worden. Er war Anfang Februar zunächst ohne Ressort in den Konzernvorstand von Europas größtem Autobauer berufen worden.

Strukturen verbessern

Der Hoffnungsträger soll die Strukturen verbessern. Nach einem dreistelligen Millionenverlust im vergangenen Jahr soll die Marke mit Bernhards Hilfe schon dieses Jahr wieder Gewinne ausweisen. Die Markengruppe, zu der neben VW auch Skoda, Bentley und Bugatti gehören, hatte im vergangenen Jahr 44 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet.

Interesse an Fertigung eines neuen "Papamobils"

Das Unternehmen hat Interesse daran gezeigt, das neue "Papamobil" für Papst Benedikt XVI. zu bauen. "Wenn das gewünscht wird, werden wir ein Fahrzeug fertigen", sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag am Rande der Hauptversammlung in Hamburg. Was die gepanzerte Sonderanfertigung kosten würde, konnte er nicht beziffern. Unklar blieb auch, wie der Dienstwagen von Papst Benedikt XVI. aussehen könnte. Es werde aber "eher ein Touareg oder ein Phaeton als ein Polo". Amtsvorgänger Johannes Paul II. fuhr Mercedes.

Die Idee, den Wagen für den Heiligen Vater zu bauen, sei entstanden, weil der Autobauer zum Weltjugendtag im August in Köln die Fahrzeuge der VIPs bereitstelle, sagte der VW-Sprecher. Demnach hofft der Konzern nicht nur auf den Zuschlag für diese Veranstaltung, sondern darauf, dem Papst ein Fahrzeug für den dauerhaften Einsatz zu liefern. (APA/Reuters)

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