Brasilien: Erneute Anhebung der Leitzinsen

2. Mai 2005, 11:25
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19,5 Prozent im Jahr - Unternehmer und Gewerkschaften protestieren -Zinsniveau ist das höchste seit September 2003

Brasilia - Die Zentralbank Brasiliens hat mit einer neuen Anhebung der Leitzinsen Proteste von Unternehmern und Gewerkschaftern ausgelöst. Der Leitzinssatz "Selic" wurde am späten Mittwochabend (Ortszeit) nach Angaben des Komitees für Währungspolitik der Notenbank in der Hauptstadt Brasilia um 0,25 Prozentpunkte auf 19,5 Prozent im Jahr erhöht.

Es handelte sich bereits um die achte Zinsanhebung der Zentralbank in Folge seit September 2004, als der Leitzins bei 16 Prozent lag. Das brasilianische Zinsniveau ist damit das höchste seit September 2003.

Abbremsung der Inflation

Die Maßnahme zielt auf eine Abbremsung der Inflation ab, die das Regierungsziel von höchstens 5,1 Prozent für das Gesamtjahr 2005 deutlich zu übertreffen droht. Im März hatte die Inflationsrate IPCA ein Zwölfmonatsniveau von 7,54 Prozent erreicht.

Marktteilnehmer klagen, dass die Hochzinspolitik die Erholung der brasilianischen Wirtschaft bedroht. Nach mehreren mageren Jahren war das Bruttoinlandsprodukt 2004 um 5,2 Prozent gewachsen.

Unternehmer, Gewerkschaften und Medien weisen darauf hin, dass Brasilien schon seit längerem die höchsten Zinssätze der Welt hat. "Diese neue Erhöhung wird nicht nur das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr, sondern auch 2006 sehr negativ beeinflussen", klagte der Industrieverband des Bundeslandes Rio de Janeiro (Firjan).

Der Industrieverband meint, dass die Konjunktur auf Grund der hohen Zinsen schon seit Monaten eine "Abkühlung" erfahren habe. Die Regierung müsse zur Dämpfung der Inflation vielmehr die öffentlichen Ausgaben unter Kontrolle bringen.

Auch der Präsident des Gewerkschaftsdachverbandes CUT, Luiz Marinho, forderte von der Regierung unter Präsident Luiz Inácio "Lula" da Silva "dringende Maßnahmen" gegen die hohen Zinsen. (APA/dpa)

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