Rätselraten um berufliche Zukunft von Ex-Minister Strasser beendet

2. Mai 2005, 11:33
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Wechsel zu VCP-Finanzgruppe bestätigt: Ab Juli ist er bei Wiener Investmenthaus für Ost-Kraftwerke zuständig

Wien - Nun ist es fix: Die Wiener Finanzgruppe VCP holt sich Ex-Innenminister Ernst Strasser als Spitzenmanager für Energie-Investments in Osteuropa an Bord.

Ab Juli wird der ehemalige Ressortchef, der der Politik im Dezember überraschend den Rücken gekehrt hatte, als geschäftsführender Gesellschafter an die Spitze der VCP Energy Holding GmbH treten und mit 10 Prozent an der Tochter der Vienna Capital Partners (VCP) beteiligt sein, wie Strasser und VCP-Gründer Heinrich Pecina am Mittwochabend sagten. Damit ist das Monate lange Rätselraten um die berufliche Zukunft Strassers beendet.

Modernisierung in Osteuropa

Die VCP Energy will in den kommenden zehn Jahren rund 750 Mio. bis 1 Mrd. Euro in die Modernisierung von Kraftwerken in Osteuropa stecken, geht man von fünf mittelgroßen Projekten aus. So sollen etwa früher mit Braunkohle betriebene Altanlagen aufgekauft, auf Gas- oder Biomassebetrieb umgerüstet und nach einiger Zeit weiterveräußert werden.

Die Emission von Energie-Anleihen sei dabei ebenso wenig ausgeschlossen wie ein Börsegang von Kraftwerksgesellschaften, sagte Pecina vor Journalisten. Die Energie-Investments seien angesichts der Stromknappheit in Europa - die Produktion hinke dem jährlich um knapp 3 Prozent wachsenden Verbrauch hinterher - viel versprechend, so Pecina und Strasser.

Gängiger Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft erwünscht

Mit dem ehemaligen Innenminister habe sich die VCP "einen erfahrenen Manager mit internationaler Erfahrung und starkem Netzwerk in der CEE-Region" für den Energiebereich an Bord geholt, meinte Pecina, der sich durchaus öfter "durchgängige Wechsel von der Politik in die Wirtschaft oder umgekehrt" wünscht.

Die Parteizugehörigkeit spiele dabei keine Rolle: "Wir suchen immer ambitionierte, tüchtige und ausgeglichene Menschen", meinte der Gründer und Senior Partner der primär auf Private Equity Investments in Osteuropa spezialisierten Gruppe für sein Haus.

Schon seit einigen Monaten werkt - nach einem Zwischenspiel bei der Investmentbank HSBC - auch Christoph Ulmer, ehemaliger Kabinettchef des Ex-Ministers, im Vorstand der VCP Industrie Beteiligungen AG.

Rätselraten um Strassers berufliche Zukunft

Strasser, der kommende Woche 49 Jahre alt wird, hatte am 10. Dezember 2004 überraschend seinen Rückzug als ÖVP-Minister bekannt gegeben und seinen Wechsel bzw. die "Rückkehr" in die Privatwirtschaft angekündigt. Anfang der 90er Jahre war der am 29. April 1956 in Grieskirchen in OÖ geborene Strasser im Amstettner Unternehmen Umdasch in den Bereichen Planung und System Division tätig gewesen.

Seit seinem Ausscheiden aus der Politik war der gelernte Jurist gerüchteweise für viele Jobs im Land gehandelt worden, etwa bei EVN, Rewe/Billa oder auch Motorola. Strasser selbst hatte wiederholt erklärt, sich erst im 2. Quartal beruflich zu verändern, was nun mit dem operativen Start bei VCP per Anfang Juli geschieht.

VCP sieht sich mit einem Transaktionsvolumen von mehr als 2,5 Mrd. Euro seit der Gründung vor knapp 7 Jahren mittlerweile als eines der führenden unabhängigen Investment- und Corporate Finance Advisory-Unternehmen im Zentral- und Osteuropa. Künftig weitet man die Aktivitäten auf den "EU-Erweiterungsraum" aus, also auch auf Rumänien, Bulgarien und das gesamte Ex-Jugoslawien.

Firmen-Chef Pecina war in den 90er Jahren bei der CA IB Investmentbank tätig gewesen, auch der frühere Creditanstalt-Banker Ottokarl Finsterwalder und Ex-OMV-Vorstand Heinrich Georg Stahl arbeiten bei ihm in Spitzenpositionen.

2005 weiteres Wachstum geplant

Die Wiener Investmentgruppe VCP hat sich darauf spezialisiert, unterbewertete Unternehmen mit besonders hohen Wachstums-Chancen zu erwerben und nach einiger Zeit wieder mit sattem Gewinn zu veräußern. Den Mega-Coup schlechthin landete man mit der Börse-Platzierung des ungarischen Chemiekonzerns BorsodChem im vergangenen Herbst, der Vienna Capital Partners allein mehrere hundert Mio. Euro Erlös einbrachte.

Auch für 2005 seien bei VCP die Weichen auf Wachstum gestellt, sagte der Chef der Gruppe, Heinrich Pecina, am Mittwochabend: "Wir prüfen derzeit eine Vielzahl interessanter Projekte in den Ländern Zentral- und Osteuropas und verfügen über eine prall gefüllte Projektpipeline."

Näher äußern wolle man sich jedoch nur zu bereits abgewickelten Deals. Mit einer neuen 100-Mio.-Euro-Finanzierungslinie der HSBC, die VCP jederzeit ziehen kann, ist man nun für kommende Investments noch flexibler.

Im Oktober hatte VCP die BorsodChem zu 62,6 Prozent über die Budapester Börse in einem Secondary Public Offering verkauft und dafür 388 Mio. Euro Erlös erzielt " konkret 443 Mio. Dollar, was damals 358 Mio. Euro entsprach.

"Vor drei Jahren war die ganze BorsodChem 220 Mio. Dollar wert", hatte sich VCP-Gründer Heinrich Pecina damals gerühmt. Heute hält seine Gruppe noch rund 21 Prozent der Anteile, der Aktienkurs hat seit dem SPO rund ein Drittel zugelegt.

BorsodChem könnte in Rumänien oder Polen zukaufen, sagte Pecina am Mittwochabend und schloss selbst einen Einstieg der Ungarn in Russland nicht aus. Mit einer Jahreskapazität von 360.000 t PVC an einem Standort sei BorsodChem schon heute der größte Player der Region und die Nummer zwei in Europa, geplant sei mittelfristig der Ausbau auf 400.000 t.

Beteiligungen

Zu weiteren VCP-Beteiligungen zählen derzeit etwa im Medienbereich die größte serbische Tageszeitung "Blic" (25 Prozent; den Rest hält die Schweizer Ringier-Gruppe) und das kroatische Magazin "Nacional - TV extra", ferner das von steigenden Ölfrachtkosten profitierende kroatische Schifffahrtsunternehmen Tankerska Plovidba, der polnische Versorger Polski Gaz oder das zweitwichtigste ungarische Chemieunternehmen, die auf Petrochemie spezialisierte TVK. 31 Prozent an der TVK hält die VCP, die Mehrheit gehört der ungarischen MOL. Die frühere 2,9-prozentige Beteiligung an der MOL hat VCP laut Pecina bereits im 1. Halbjahr 2004 mit kräftigem Gewinn abgestoßen. (APA)

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