Bankenstudie adelt Kärntner

2. Mai 2005, 12:43
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Je spezialisierter eine Bank und je engagierter im Osten, desto besser schneidet sie ab - Das ergibt die neue Bankenstudie der zeb

Wien - Die Vorstellung, die die österreichischen Kreditinstitute auf dem glatten Parkett der internationalen Bankenwelt geben, ist eine gemischt erfolgreiche. Während die österreichischen Großbanken und Spitzen-Regionalbanken "glänzend" abschneiden, hinkt die "Durchschnittsbank", besonders kleine und mittlere Regionalbanken, hinter der europäischen Konkurrenz hinterher.

Diese Institute arbeiten weniger rentabel, ihre Eigenkapitalrentabilität (ROE) liegt "erheblich" unter jener der Konkurrenz. Besonders rentabel arbeiten Banken in Osteuropa; davon wiederum profitieren die heimischen Großbanken, die ja seit Langem auf diesen Märkte unterwegs sind.

Bei der Effizienz können die österreichischen Banken dagegen besser mithalten. Zu diesen Ergebnissen kommt die am Mittwoch präsentierte "European Banking Study 2004" der deutschen Managementberatungsfirma zeb/rolfes.schierenbeck.associates.

"Verblüffendes Bild"

Bei ihrem Ranking der 25 erfolgreichsten österreichischen Banken (ab einer Bilanzsumme von 500 Mio. Euro) kamen die Studienautoren zu einem "verblüffenden Bild", so zeb-Partnerin Michaela Schneider. Denn: "Unter den Top-Banken befindet sich eine Vielzahl kleiner Regionalbanken mit Bilanzsummen von unter einer Milliarde Euro."

Das Ergebnis: Auf Platz eins der Bestenliste, die sich nur auf Eigenkapitalrendite und Cost-Income-Ratio im Schnitt der Jahre 2001 bis 2003 bezieht: Die Kärntner Hypo Alpe-Adria-Bank, die demnächst an die Börse geht. Schneider: "Die Kärntner Hypo ist die Bank schlechthin in Südost-Europa, wo sie gutes Geld verdient."

Dass unter den Top 25 kleine Regionalbanken wie die Raiffeisenlandesbank Burgenland (Platz zwei), überschaubar große Privatbanken wie die Wiener Bank Winter (Platz sechs) aber auch Großbanken wie die Erste Bank (Platz vier) rangieren, erklärt Schneider so: "Effiziente Kleine, die sich spezialisieren und im Inland hohe Margen lukrieren, arbeiten eben renditestark. Ebenso Große, die sich ihre hohen Erträge aus dem internationalen Geschäft holen."

BA-CA nur auf Platz 37

Die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) ist trotzdem nur auf Platz 37 gelandet - und rangiert damit hinter den Großbanken Raiffeisen Zentralbank (Platz zehn), Österreichische Volksbanken (Platz 31) und Bawag-PSK (Platz 33). Dieses Ergebnis liege aber auch an der früheren Struktur der BA-CA, "2004 würde das ganz anders ausschauen", tröstete Schneider.

Unter die Lupe kamen in der Bankenstudie mehr als 4000 europäische Banken aus 24 Ländern Europas, untersucht wurden die Jahre 2001 bis 2003, wie zeb-Partner Andreas Rinker bei einer Pressekonferenz in Wien erläuterte. Insgesamt ist der europäische Bankenmarkt homogener geworden: Die Zahl der Kreditinstitute sinkt weiter (Österreich: minus sieben Prozent), die Konsolidierung spielt sich nach wie vor hauptsächlich im Inland ab.

Grenzüberschreitende Fusionen sind in Europa die Ausnahme: Es gab nur 15 pro Jahr. In Mode kommt übrigens wieder die Filiale: Spanische Banken eröffnen besonders viele davon, und zwar auch kleine und billig ausgestattete - und sie verdienen prächtig, sagt die Bankenstudie. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.04.2005)

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