NÖM wieder im Belagerungszustand

2. Mai 2005, 12:14
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IG Milch: Milchbauern führen Existenzkampf - NÖM startet Versuch für eine österreichischen Milchlösung

Wien - Die Nerven der NÖM-Manager wurden am Mittwoch erneut strapaziert. Milchbauern aus ganz Österreich demonstrierten vor der Zentrale der niederösterreichischen Molkerei für steigende Milchpreise und gegen das Milchbauern-Sterben.

Tatkräftig unterstützt wurden sie von ungarischen Kollegen, dem als extrem bekannten französischen Bauernführer Jose Bové und dem Grünen Agrarsprecher Wolfgang Pirkelhuber. Die Kundgebung ist friedlich verlaufen.

Die Angaben über die Zahl der Teilnehmer gingen stark auseinander. Während die IG Milch von 1.500 demonstrierenden Milchbauern spricht, waren laut NÖM 350 Demonstranten vor dem NÖM-Gelände. Laut IG-Vorstandsmitglied Ewald Grünzweil seien Busse aus ganz Österreich angereist, allein neun aus Oberösterreich.

"Ohne Milchbauern keine Molkereien"

Mit Transparenten und Sprüchen wie etwa "Zerstört Raiffeisen meine Zukunft?" oder "Ohne Milchbauern keine Molkereien" brachten die Hörndlbauern ihren Unmut zum Ausdruck. Das NÖM-Gelände war wie in den vergangenen Tagen aus Angst vor Übertritten hermetisch abgeriegelt und wurde von Sicherheitskräften bewacht.

Organisiert wurde die Protestkundgebung von der IG Milch. Deren 4.000 Mitglieder stehen den 4.800 NÖM-Milchbauern gegenüber, die sich von ihren kritischen Berufskollegen distanzierten und die jüngste Milchpreissenkung akzeptierten. Zahlreiche Gespräche in den vergangenen Tagen haben zu keinem Ergebnis geführt.

Existenzkampf

Grünzweil betonte nach der Kundgebung erneut, dass es sich bei diesen Veranstaltungen nicht um eine "Bewährungsprobe für die IG Milch" handle, sondern dass die österreichischen Milchbauern einen Existenzkampf führten. "Die Argumente sind auf unserer Seite", so Grünzweil zur APA: "Heute ist uns wieder bewusst geworden, dass die österreichische Familie der Milchbauern zusammenhält".

In der Vergangenheit hätten aber viele Hörndlbauern "alles aus der Hand gegeben". Gerade Milchbauern seien ganz konservative Menschen, die fest verwurzelt seien und sich mit Veränderungen schwer tun.

Einigungsversuch

Seitens der NÖM habe man am Morgen noch versucht, sich mit den kritischen Milchbauern der IG Milch zu einigen, wenn auch feststehe, dass die jüngste Milchpreissenkung von 0,5 Cent nicht mehr zurückgenommen werde, sagte NÖM-Generalbevollmächtigter Gerhard Schützner zur APA.

In einem Schreiben habe der Molkereikonzern der IG-Spitze unter anderem vorgeschlagen, bei Aktivitäten in Richtung besseren Milchpreis beim Handel zu kooperieren. Auch bei der Kennzeichnung österreichischer Lebensmittel sei eine Kooperation angeboten worden.

Österreichische Milchlösung

Zudem schlug die NÖM vor, gemeinsam an einer österreichischen Lösung arbeiten zu wollen, um die Verkaufsaktivitäten der heimischen Molkereien für Milchbasisprodukte zusammenzufassen. All diese Vorschläge würden zwar nicht die von der IG Milch geforderten 35 bzw. 40 Cent Bauernmilchpreis bringen, so Schützner zur APA, aber "eine Verbesserung". Die NÖM habe der IG Milch auch angeboten, gemeinsam zu den Politikern zu gehen, sei es in Wien oder in Brüssel.

"Mehr können wir nicht tun", betonte Schützner. "Wir können nicht die 250 Mio. kg Milch, die in Österreich zu viel sind, verschwinden lassen. Und wir können auch nicht die Milchpreispolitik der EU ignorieren".

Die Verantwortlichen der NÖM finden es jedenfalls befremdend, dass ausgesprochen vor der NÖM demonstriert wird, wo man sich doch stets für höhere Preise beim Handel eingesetzt habe, in den vergangenen Jahren 350 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden und den Bauern der österreichische Durchschnittspreis für die Milch garantiert werde. (APA)

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