Deutsche Bischöfe: "Entgültige Rückkehr in die Völkergemeinschaft"

13. Mai 2005, 11:36
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Erklärung von Kardinal Lehmann zur Wahl von Papst Benedikt XVI. in Auszügen

Bonn - Die deutschen Bischöfe haben die Wahl Papst Benedikts XVI. am Dienstagabend als ein "wichtiges Zeichen der endgültigen Rückkehr Deutschlands in die weltweite Völkergemeinschaft" gewertet. Kathpress dokumentiert die Stellungnahme des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zur Papstwahl am Mittwoch in Wortlautauszügen:

"Die 115 Mitglieder des Konklaves, aus alle Kontinenten kommend, haben in ihrem Dekan des Kardinalskollegiums, Joseph Kardinal Ratzinger, einen Mann der Kirche gewählt, der für sie ein lebendiges Symbol des kontinuierlichen Zeugnisses der Kirche ist, ... ein unerschrockener Garant der Festigkeit des Glaubens in allen Wandlungen, ein seit Jahrzehnten weltweit bekannter, begnadeter Theologe und einer der engsten Mitarbeiter von Papst Johannes Paul II. ... Er hat in den fast 24 Jahren seit der Übernahme seiner großen, schwierigen Aufgabe als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre nicht nur die Fragen und Probleme überall auf der Welt, sondern unmittelbar auch die Situation vor Ort kennen gelernt. ...

Kardinal Ratzinger hat gewiss in der Weltkirche mit und unter dem Papst eine der sensibelsten Aufgaben erfüllt, nämlich mitten in allen geistigen, gesellschaftlichen und theologischen Wandlungen die Substanz des katholischen Glaubens unversehrt zu erhalten und dies in vielen Auseinandersetzungen auch zu bewähren. Es ist fast selbstverständlich, dass ihm bei dem gegenwärtigen Pluralismus der Meinungen - auch in der eigenen Kirche - nicht alle folgen konnten und wollten. Aber er hat überall - auch im Widerspruch - Respekt vor seiner theologischen Leistung und die Anerkennung seines nonkonformistischen Mutes im Dialog und in der Auseinandersetzung mit den zeitgenössischen Kräften erhalten. Dies gilt gerade auch für die Begegnung mit der Welt des Geistes und der Politik. ...

Konzilstheologe

Der neue Papst ist einer der ganz wenigen namhaften Konzilstheologen, die noch unter uns leben. Er hat für die Erneuerung der Kirche beim Zweiten Vatikanischen Konzil eine große Rolle gespielt, als Berater von Joseph Kardinal Frings, aber auch in der Theologischen Kommission und einigen Gremien des Konzils. ... Er kennt und deutet freilich das Konzil vor dem Hintergrund einer umfassenden theologischen und spirituellen Tradition der Kirche sehr genau und war von Anfang an in der nachkonziliaren Zeit um die Unterscheidung der Geister bemüht. Darum besteht auch kein prinzipieller Zweifel an seiner Einstellung zu den ökumenischen Bemühungen und Gesprächen mit den reformatorischen Kirchen und den Kirchen des Ostens. ...

Es trifft sich auch gut, dass fast 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ... ein deutscher Kardinal nach so langer Zeit in dieses höchste Amt der Kirche gewählt werden konnte. Viele haben nicht daran geglaubt, dass so etwas nach den immer noch spürbaren, grausamen Ereignissen, die im 20. Jahrhundert von Deutschland ihren Ausgang nahmen, möglich sei. Es ist darum auch ein wichtiges Zeichen der endgültigen Rückkehr Deutschlands in die weltweite Völkergemeinschaft, die auch in der katholischen Kirche ihre Spiegelung erhält. Darum wollen wir den wählenden Kardinälen auch für dieses wichtige Zeichen einen herzlichen Dank sagen. Dies kann unser Land in vieler Hinsicht ermutigen." (APA)

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