Unfehlbarkeitsdogma seit 1870

2. Mai 2005, 19:06
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Der Papst ist der Besitzer der obersten Gewalt in der Kirche

Rom - Der Papst besitzt als Nachfolger des Apostels Petrus und Leiter der Gesamtkirche die "oberste, volle, unmittelbare und allgemeine ordentliche Gewalt, die er stets frei ausüben kann". So legt es das Kirchenrecht fest. Seine Entscheidungen bedürfen keiner Bestätigung; es gibt dagegen keine Berufung an eine andere Instanz. Jesus Christus soll seinem Apostel Petrus die Leitung der Kirche mit den Worten anvertraut haben: "Du bist der Fels, auf den ich meine Kirche baue". Danach ist das Papsttum göttlichen Ursprungs. Eine Stellvertretung für den Papst gibt es nicht.

Seit dem von Pius IX. einberufenen Ersten Vatikanischen Konzil (1869-70) gilt das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes. Danach ist er unfehlbar, wenn er in Ausübung seines Amtes in Fragen der Glaubens- oder Sittenlehre entscheidet. Durch das Petrusamt unterscheidet sich die römisch-katholische Kirche von allen anderen christlichen Kirchen. Der Papst ist nicht nur die oberste gesetzgebende, ausführende und richterliche Gewalt, sondern auch die höchste, im Zweifelsfall unfehlbare Instanz in allen Fragen der verbindlichen Glaubens- und Sittenlehre. Ihm kommt "die Kompetenz der Kompetenz" zu - er selbst, nicht eine von ihm verschiedene Instanz beurteilt seine Kompetenz, wie es der deutsche Theologe Karl Rahner einst formulierte. Wer römisch-katholisch ist, steht unter der geistlichen und kirchenrechtlichen Hoheit des Papstes und ist in seinem Glauben in starkem Maße an die Kirche gebunden.

"Wir sind uns vollkommen bewusst, dass der Papst das größte Hindernis auf dem Weg des Ökumenismus ist", hatte Paul VI. 1967 erklärt. Aus der Lehrautorität, dem Universalprimat und dem streng hierarchischen System - nicht aus der "Papstfixiertheit" der Massenmedien - schöpft der multinationale und multikulturelle Katholizismus seine besondere Kraft und Identität im Rahmen der Weltchristenheit und gegenüber anderen Religionen, wie auch in der politischen und moralischen Landschaft der ganzen Welt. Dies wurde unter dem Pontifikat von Johannes Paul II. durch wichtige Enzykliken wie "Redemptor hominis" (gegen die totalitären Staaten und die kapitalistische Konsumgesellschaft, die den Menschen versklaven), "Laborem exercens" (über die Rechte der arbeitenden Menschen) oder "Sollicitudo rei socialis" (Kritik an der sozialen Entwicklung der Welt und Verurteilung der Profitgier) deutlich. Als Institution und Völkerrechtssubjekt ist der Heilige Stuhl einzigartig, weil er auf internationaler Ebene sowohl geistliche als auch weltliche Ziele verfolgt. (APA/AFP)

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