Funny van Dannen: "Nebelmaschine"

21. Oktober 2005, 15:15
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Der freundlich-verschrobene Schwärmer für die Leichtigkeit

Wer vierfacher Vater ist, baut sich im Mal-, Komponier- und Bügelzimmer seines Berliner Zuhauses schon einmal gedankliche Häuser aus Styropor und Särge aus Karton. Diese Leichtigkeit des Seins und nicht mehr Seins bringt der Werbegrafiker, der seinen Beruf nie ausgeübt hat, zu Papier, heute in Farben, morgen in Worten, übermorgen in Noten.

Ganz normale Sachen

Funny van Dannen singt auf seinem dritten im Studio produzierten und insgesamt achten Album "Nebelmaschine" von Bodenunebenheiten, bärtigen Delphinen, Fotos von Ohren und der tragischen Biografie jenes Vogels, der später zum Bundesadler degradiert wurde. Mit einer durchaus Jugendmessen-tauglichen Stimme und leichtem Vibrato singt er von Hobbynutten, Dingfickern und Matrosen, und wenn es all diese Leute gar nicht gäbe, wäre es auch egal, "denn es gibt ja jede Menge Humankapital", so van Dannen in seiner bitterbösen Hymne an das Unwort des Jahres 2004. Dazu: Fröhliche Gitarre, munteres Sax, vergnügte Mundharmonika.

Der Wahlberliner weiß dabei selber nicht so genau, ob er für sein Publikum nicht zu verschroben ist, und ermahnt sich folglich in „Blutige Halme“: „Du solltest lernen, über ganz normale Sachen zu lachen“, wie beispielsweise: ausgestopfte Katzen mit Zebra-Anstrich.

Kein Vorbild

Sein Künstlername ist dem Niederländischen so nahe wie sein Geburtsort, und wenn jemand auf ihn Einfluss ausgeübt hat, dann vielleicht am ehesten die dort aufgesogene Volksmusik und, wie er sagt, der flämische Dichter Felix Timmerman. Dezidierte Vorbilder kann der 47-Jährige aber nicht vorweisen, und auch Komödiant will er keiner sein, er ist auch kein Konzeptkünstler, denn am Beginn des Textschreibens weiß er nur selten, was am Ende herauskommt. Funny van Dannen ist ein schräger Kopf, der schreibt, was ihm Kopf und Herz in die Finger schießen, und wenn diese Wucht eines Tages nachlässt, dann bereitet ihm das höchstens Sorgen materiell-existenzieller Art. Er schwärmt eben für die Leichtigkeit.

"Geh jetzt und lass mich weinen
Du bist ein guter Mann
Aber du bist ein Steuerflüchtling
Und so was ekelt mich an."
Wer hat in letzter Zeit ähnlich rührende Texte verfasst? (mas)

  • Funny van Dannen: "Nebelmaschine" (Trikont 2005)
    foto: funny van dannen

    Funny van Dannen: "Nebelmaschine" (Trikont 2005)

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