„Mc Arthur Glenn will Früchte der Altstadt ernten!“

4. Mai 2005, 18:35
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Gestern Abend fand im Sternbräu die Podiumsdiskussion zum Thema Wirtschaftsfalle Flächenwahn statt. Es waren sowohl Vertreter der Einkaufszentren Salzburg als auch Sprecher für die Salzburger Altstadt anwesend.

Den Streitpunkt der Diskussion bildete der geplante Ausbau des Airportcenters in ein Factory Outlet Center (FOC). Die "Plattform gegen den Flächenwahn im Bundesland Salzburg" fürchtet ein Aussterben der Altstadt durch die riesigen Verkaufsflächenansammlungen an der grünen Wiese.

Den Anfang machte Dr. Ernst Schmiederer mit einigen Auszügen aus seinem Buch "Asoziale Marktwirtschaft". Das Buch beschreibt, wie internationale Konzerne Steuerzahlungen vermeiden und diese Budgetlöcher von anderen Betrieben gestopft werden müssen. Durch Unterstützung der Politik erschaffen sich die Großkonzerne Vorteile gegenüber kleineren Betrieben. Weiters beschreibt er, dass in unserer Marktwirtschaft die Lasten ungerecht verteilt sind und die Altstädte darunter leiden müssen. Schmiederer fordert: "Wir brauchen eine Politik, die sich nicht in erster Linie an die Interessen der Großbetriebe richtet!"

"Ist es in einer Wirtschaft schlecht nach seinem betrieblichem Vorteil zu trachten?"

Dr. Will von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung konterte mit dem Statement "Der betriebliche Vorteil im Einzelhandel ist der Standort". Er argumentierte, dass der Standort besonders für die verkehrliche Erreichbarkeit von großer Bedeutung ist und die Standorte ausschlaggebend für die Unternehmen sind. Das nächste Wort hatte Herr Stiller, der als Vertreter des Airportcenters anwesend war. Er warf in den Raum, dass von einer Einigung über ein FOC keine Rede mehr sein könne, da die Planungen bereits in Vorbereitung sind. Herr Wallenberger von der Regionalberatung ging auf die generellen Konzentrationsentwicklungen ein, die sich weltweit abzeichnen. "Diese Entwicklungen laufen ab, ob in Salzburg etwas getan wird oder nicht!". Er stellte die Frage "Was wollen wir in unserer Stadt?"

Der Industrielle, Herr Mag. Gössl führte an, dass sich die Salzburger Innenstadt-Kaufleute durch ein FOC bedroht fühlen und ihnen keine andere Wahl bleibt, als schön und teuer zu sein, um den Wettbewerb gegen die Großbetriebe zu überstehen. Mit Nachdruck erwiderte Herr Ing. Engelsberger, CA Immobilien: "Es muss ein differenziertes Nebeneinander geben."

Nun ergriff die Plattformsprecherin Mag. Horny das Wort. Nach der Entscheidung des Europarks 2 wurden viele Investitionen in der Altstadt getätigt, um konkurrenzfähig zu bleiben. In der Hoffnung, dass nun Schluss mit dem Flächenwahn sei, hatten sich die Kaufleute der Innenstadt wieder sicher gewähnt. Doch nun wird ihr Vertrauen erneut erschüttert und keiner kann sagen, wo diese Entwicklung hinführen wird.

Das Airportcenter ist ein Sanierungsfall

Bei der anschließenden Diskussion mit dem Publikum ging es heiß her. Es meldeten sich sowohl Kaufleute der Innenstadt als auch Salzburger Politiker zu Wort. Dabei ging es vor allem um den Verlust von Arbeitsplätzen und die sinkende Kaufkraft.

"Das Airportcenter ist ein Sanierungsfall – wenn das Ding nicht geht, dann reißt es doch wieder ab! Es steht ja nicht unter Denkmalschutz", schimpfte Herr Mag. Gössl. Herr Stiller antwortete darauf, dass Einkaufszentren entstanden seien, weil es die Kunden verlangt haben. Ergänzend bemerkte er, dass Einkaufszentren nur eine gewisse Lebensdauer hätten und dann wieder erneuert werden müssen. Jetzt ergriff Herr Stadtrat Padutsch das Wort. "Der Sanierungsfall Airportcenter ist so alt wie das Airportcenter selbst. – von Anfang an eine Katastrophe!" Eine Stimme aus dem Publikum bemerkte: "Der Handel ist die dynamischste Branche – es wird nicht möglich sein neue Entwicklungen zu verhindern. Der mobile Konsument wird das Angebot an den Grenzgebieten wählen, wenn die Altstadt starr bleibt."

Am Ende kam man zu keiner wirklichen Einigung. Die unterschiedlichen Interessen gehen zu weit auseinander. Die Altstadt wird den Wettbewerb gegen die großen Einkaufszentren nicht gewinnen können. Es ist wichtig, dass die Kaufleute der Altstadt auf andere Pferde setzen. Denn ein steriles Einkaufszentrum kann nie gegen die besondere Attraktivität und das Flair einer Altstadt ankämpfen. (hitz/mala)

Alle Beiträge der Salzburg-Seiten von derStandard.at werden von Teilnehmern der Online-Lehrredaktion der Abteilung Journalistik an der Uni Salzburg in eigener Verantwortung erstellt.
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