Kostenloser Stadtradverleih ist in Kopenhagen ein Erfolg

12. Mai 2005, 15:09
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Gebaut wie ein "zweirädriger Kampfpanzer" - Finanzierung durch Reklameeinnahmen

Kopenhagen - In Kopenhagen können Einheimische und Touristen seit dieser Woche wieder 2.000 Stadträder kostenlos und so lange sie wollen für Fahrten durch die Innenstadt benutzen.

Während blindwütige Zerstörungswut ähnlichen Projekten in anderen Städten buchstäblich die Luft ausgehen ließ, hat das Kopenhagener Stadtrad allen Angriffen erfolgreich getrotzt. "Wir haben es ja auch bewusst wie einen zweirädrigen Kampfpanzer gebaut", sagt Initiator Kim Madsen und bezeichnet das kleine, kompakte und extrem einfach ausgestattete Rad als "praktisch unzerstörbar".

"Praktisch unzerstörbar"

Mit Reifen aus Vollgummi und ohne Gangschaltung sind die Stadträder an 110 eigens eingerichteten Parkplätzen angekettet. Die Kette kann mit einer 20-Kronen-Münze (2,50 Euro) gelöst werden, die beim Anschließen wieder freigegeben wird.

Finanziert durch Reklameeinnahmen

Dass Reklameeinnahmen das komplette Projekt finanzieren, ist nicht zu übersehen. Die an Reifen und Gestell mit bunter und oft greller Werbung bemalten Räder gehören inzwischen fest zum sommerlichen Stadtbild. Die häufiges und sportliches Radeln gewöhnten Kopenhagener grinsen gerne, wenn südeuropäische Touristen recht unsicher bei ihrer "Jungfernfahrt" auf zwei Rädern Richtung Kleine Meerjungfrau wackeln und dabei auch noch den auf dem Lenker befestigten Stadtplan studieren.

Fünf bis zehn Prozent des Radbestandes verschwinden

Aber die Einheimischen greifen auch selbst oft zu einem der 21 Kilogramm schweren Räder. Manche verlassen damit auch immer wieder einmal die Innenstadt, obwohl ihnen in diesem Fall eine Geldstrafe von 1.000 Kronen droht. Fünf bis zehn Prozent des Radbestandes verschwinden laut Madsen im Laufe einer Saison. Etliche Räder werden dann aber irgendwann später reumütig in die Innenstadt zurückgebracht.

Mobile Werkstätten reparieren täglich

Um Diebstählen oder aus Faulheit "vergessenen" Rückgaben besser begegnen zu können, experimentierten Madsen und seine 30 Mitarbeiter mal mit GPS-Satellitensendern und berichteten davon Journalisten. "Unser größter Fehler bisher", bekennt der Stadtrad-Vater, denn nach der Zeitungsmeldung seien zahlreiche Räder bei der Suche nach den (gar nicht installierten) Sendern von vorn bis hinten auseinander genommen worden. Die Konsequenz: "Wir bleiben bei der Grundphilosophie, alles so simpel wie möglich zu halten". So muss man bei der Stadttour auch auf einen Gepäckträger oder abends auf Licht verzichten. Stadtrad-Mitarbeiter klappern mit vier mobilen Werkstätten täglich die Parkplätze ab und reparieren kleinere Schäden an Ort und Stelle. (APA/dpa)

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