Erzbischof Tutu enttäuscht über Ratzingers Wahl zum Papst

13. Mai 2005, 11:36
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Wunsch nach Haltungsänderung bei Aids-Bekämpfung und Rolle der Frau

Kapstadt - Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger und ehemalige anglikanische Primas für das südliche Afrika, der Alterzbischof von Kapstadt, Desmond Tutu, hat sich enttäuscht über die Wahl von Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst geäußert. Das neue Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche sei streng konservativ und habe keinen Bezug zur Gegenwart, sagte der Friedensnobelpreisträger am Mittwoch im südafrikanischen Rundfunk. Mit Blickrichtung auf die Haltung des Vatikans zur Aids-Bekämpfung und der Rolle der Frau sagte er: "Wir hatten auf jemanden gehofft, der jüngsten Entwicklungen in der Welt offener gegenübersteht." Das Papstamt sei eine gewaltige Aufgabe, und "wir bitten für ihn um Gottes Segen", sagte Tutu.

Die Tatsache, dass ein Europäer Papst geworden sei, sei von geringerer Bedeutung als dessen konservative Einstellung, sagte Tutu, der sich für ein Kirchenoberhaupt aus Afrika oder Lateinamerika ausgesprochen hatte. Vergangene Woche hatte Tutu gesagt, er hoffe, dass der neue Papst das Kondom-Verbot aufheben werde, um die Ausbreitung von Aids besser bekämpfen zu können. Tutu erhielt 1984 den Friedensnobelpreis in Anerkennung seines Kampfes gegen die Apartheid. Nach deren Beseitigung leitete er die Nationale Wahrheits- und Versöhnungskommission in seinem Land. (APA/Reuters)

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