Boeings Jumbo-Jet und Airbus A380: Beide hatten Startprobleme

9. Mai 2005, 14:14
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Der neue Riesenjet Airbus A380 soll in der kommenden Woche zum ersten Testflug starten. Derzeit laufen Roll- und Bremsversuche

Toulouse/Hamburg - Probleme, Verzögerungen und die wildesten Spekulationen wie jetzt vor dem Erstflug des Airbus A380 gibt es so gut wie bei jedem neuen Flugzeug. Die Gerüchteküche brodelte auch schon vor 36 Jahren heftig, als Boeings Jumbo-Jet 747, das bisher größte Passagierflugzeug, flügge wurde.

Wenn nur ein Bruchteil der damaligen Gerüchte wahr gewesen wäre - die Boeing 747 wäre nie geflogen. Doch das Flugzeug wurde der größte wirtschaftliche Erfolg des US-Konzerns und sicherte Boeing über drei Jahrzehnte hinweg eine Monopolstellung. 1356 Maschinen wurden bisher ausgeliefert, knapp 30 weitere sind schon bestellt. Boeing hatte 1966 beschlossen, die vierstrahlige 747 zu bauen, nachdem Pan Am 25 Jumbos plus zehn Optionen bestellte und auch die Lufthansa und Japan Airlines je drei Exemplare orderten.

Nebenprodukt

Die Marktchancen für die nächsten Jahre wurden auf rund 800 Jets geschätzt. Die Idee zum Bau der Boeing 747 war allerdings schon 1960 geboren worden. De facto war der Jumbo das Nebenprodukt einer Ausschreibung für ein militärisches Großraum-Transportflugzeug. Der Erstflug am 9. Februar 1969 wurde groß gefeiert. Doch es gab einige Probleme. Trotz aller Gewichtskontrollen blieb den Konstrukteuren nichts anderes übrig, als das Abfluggewicht zwischen 1967 und 1969 um 14 Tonnen zu erhöhen. Das Flugzeug war zu leicht geraten.

Ein historisch schon fast kurioser Vergleich: Die Airbus-Bauer mussten die A380 um mehrere Tonnen abspecken, um ihr versprochenes Gewicht zu erreichen. Zwangsläufig sah sich Boeing gezwungen, die Schubleistung der Triebwerke im Schnellverfahren zu erhöhen. Zu allem Ärger verbrauchten die neuen Aggregate nicht nur fünf Prozent mehr Kerosin als versprochen, sondern sie wurden auch noch mit erheblicher Verspätung ausgeliefert. Zudem gab es ernsthafte Schwierigkeiten mit der Triebwerksaufhängung und bei der Integration der Schalldämpfer. Die ersten 33 Flugzeuge mussten zurück ins Werk.

Viele Probleme waren allerdings durch die höchst unterschiedlichen Anforderungen der Fluglinien entstanden. Ein Jahr nach dem Erstflug lag die Zuverlässigkeit des Flugzeuges dann auch lediglich bei 90 Prozent. (dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.4.2005)

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    Die Testpiloten von Airbus am Flughafen von Toulouse. An welchem Tag der neue A380 nächste Woche abheben wird, steht noch nicht fest. Das wird auch vom Wetter abhängen.

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