Nachlese: Ratzinger als Autor im rechten AULA-Verlag

13. Mai 2005, 11:37
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STANDARD-Artikel vom 24. November 1998

Wien/Rom - Auf Ersuchen der AULA war Kardinal Ratzinger so freundlich, uns einen Beitrag zur Verfügung zu stellen. Otto Scrinzi und Jürgen Schwab, Herausgeber des Buches 1848 - Erbe und Auftrag, eben im rechtsextremen Grazer AULA-Verlag erschienen, haben Grund zum Jubel. Selten kann sich der Verlag mit so hohen kirchlichen Würdenträgern wie dem Präfekten der Glaubenskongregation als Schreiber schmücken. In seinem Beitrag Freiheit und Wahrheit beschäftigt sich Joseph Ratzinger unter anderem mit dem seiner Ansicht nach falschen Umgang mit der Freiheit. Ein Verständnis von Freiheit, das als Befreiung nur immer weitere Auflösung von Normen und die ständige Ausweitung individueller Freiheit bis hin zur völligen Befreiung von aller Ordnung ansehen mag, ist falsch, klagt der Präfekt der Glaubenskongregation.

Kardinal Ratzinger findet sich in einer illustren Autorenrunde wieder. Ein Beitrag wird von Herwig Nachtmann gezeichnet. 1996 war der ehemalige Geschäftsführer der Monatszeitschrift AULA wegen NS-Wiederbetätigung rechtskräftig verurteilt worden. Als Herausgeber fungiert Otto Scrinzi, ehemaliger SA-Sturmführer und NSDAP-Mitglied. Sein Kollege, der Deutsche Jürgen Schwab, war gerngesehener Gast auf der diesjährigen Großveranstaltung der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei (NPD) in Passau und bringt es zu einem einschlägigen Eintrag im Nordrhein-Westfälischen Verfassungsschutzbericht. Autor Burschenschafter Hans Ulrich Kopp war lange bei der deutschen rechten Wochenzeitung Junge Freiheit tätig. Weiters schreibt Werner Pfeifenberger. Im Mai 1998 strengte der in Deutschland lehrende Politikwissenschafter gegen den Wiener Journalisten Karl Pfeifer einen Prozeß an, den er aber rechtskräftig verlor.

Der Journalist hatte in einem Artikel Pfeifenbergers, der im FPÖ-Jahrbuch 1995 erschienen war, Nazi-Töne geortet. (pm/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24. November 1998)

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