Das Lebensgefühl am Ende der Hoffnung

27. April 2005, 21:20
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Hansi Lang präsentierte seine CD "This is the Slow Club" live in Wien

Wien - In Jacques Tourneurs Film-noir-Klassiker Out Of The Past fragt die Hauptdarstellerin Jane Greer: "Is there any way to win?" Und Robert Mitchum antwortet: "There's a way to lose more slowly."

Angesichts solch existenzieller Unabwendbarkeiten scheint es nahe liegend, einen Slow Club zu gründen. Genau das taten Wolfgang Schlögl, Thomas Rabitsch und Hansi Lang Ende letzten Jahres und adaptierten für diesen am Ende der Hoffnung eingetragenen Club Klassiker wie Everytime We Say Goodbye, Cry Me A River oder Me And Mrs. Jones. Entstanden ist nach einer EP nun ein Album, für das Sofa Surfer Schlögl alias I-Wolf die elektronische Basis schuf, Thomas Rabitsch Keyboards spielte und die sich in der Form ihres Lebens befindliche heimische New-Wave-Legende Hansi Lang ihr Herz ausschüttete.

Am Montag präsentierte man den Longplayer This Is The Slow Club im Wiener Radiokulturhaus. Für die intimen, von Lang eindringlich vom Barhocker vorgetragenen und meist im schlurfenden Tempo Richtung Jazz gedeuteten Songs vielleicht nicht der glücklichste Ort. Doch Lang überwand die atmosphärischen Defizite mit der ihm eigenen Nonchalance.

Schlögl erdete die Kompositionen von der elektronischen Trickkiste aus mit in die Tiefe gehenden Grooves, während Rabitsch am Keyboard oder vom Flügel aus die klassische, die traditionelle Seite der Stücke bediente. Wobei er am Klavier besser aufgehoben war.

Denn der frühere Falco-Keyboarder und vor allem als Starmania-Produzent medial präsente Wiener neigte zu ästhetischen Unsicherheiten. Irrtümer, die der Musikwelt als "Morbus Kolonovits" - nach ihrem "Schöpfer", dem Produzenten Christian Kolonovits - bekannt sind. Also zu blutleeren, aber aufdringlichen Synthesizer-Schlieren, die immer dann am besten sind, wenn man sie weglässt.

Aber Rabitsch beherrschte sich, und so konnte Lang im schwarz glänzenden Anzug weit gehend ohne Austro-Pop-Mief vorführen, wie sehr er sich diese Songs zu Eigen gemacht hat. Unterstützt wurde er unter anderem von Harry Stojka an der Gitarre, Woody Schabata am Vibrafon und Milos Todorovski an der Tränenquetsche. Dass Stojka natürlich zu viele Noten spielte und auch Schabata stellenweise etwas dick auftrug - es konnte Langs infizierendem Vortag nichts anhaben. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.04.2005)

Von Karl Fluch
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    foto: standard/corn heribert
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