Pröll im STANDARD-Interview: "Man kann die Realität doch nicht abschaffen"

2. Mai 2005, 12:14
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Der Agrarminister findet es "seltsam", dass José Bové nach Österreich kommt, und hält die Forderungen für "Populismus"

STANDARD: Was sagen Sie zu den Ideen des José Bové?

Josef Pröll: Das ist alles nicht schlüssig, nur auf Populismus ausgerichtet. Ein Beispiel: Europa will die Zuckerproduktion herunterfahren, um den Zuckerbauern der 3. Welt zu ermöglichen, ihr Produkt verkaufen zu können. Die von Bové geforderte Marktabschottung würde das verhindern.

STANDARD: Und die Forderung, wonach jeder Bauer nur den Regionalbedarf decken müsse, nicht aber für den Weltmarkt produzieren sollte?

Pröll: Bové verlangt, dass die Märkte geschlossen werden. Das ist doch unmöglich. Unsere gesamte Wirtschaft ist exportabhängig. Man muss schon sehen, in welcher Realität wir leben. Die kann man doch nicht abschaffen.

STANDARD: Er fordert auch, dass das EU-Fördersystem geändert werden sollte, weil die intensiv wirtschaftenden Bauern gegenüber den nachhaltig orientierten benachteiligt werden.

Pröll: Seltsam, dass er das gerade in Österreich sagt. Wir sind europaweit führend in der Biobauernförderung: 25 Prozent der Mittel werden für zwölf Prozent der Bauern aufgewendet. Und die Entkoppelung der Prämien von der Produktion war der richtige Weg. Jetzt haben die Bauern mehr Produktionsfreiheit. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.4.2005)

Zur Person

Der Niederösterreicher Josef Pröll (36) ist seit 2003 Landwirtschaftsminister.

Das Gespräch führte Leo Szemeliker.
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