Kopf an Kopf zum Cyber-Finale surfen

31. Mai 2005, 12:16
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Rekord bei Cyberschool: 173 Einreichungen von 945 Schülern im Rennen - 50 Teams bei Landesausscheidungen - Bundesfinale am 24. Mai

Klagenfurt/Landeck/Perg/Steyr - Im Wein liegt die Wahrheit, im Internet die Lösung. So zumindest das Konzept der 19-jährigen Maturaschüler Augustin Malle und Ralph Dörflinger. Die für die Firma Configwork erstellte Homepage ist nicht nur eine Verkaufsplattform für Weinsorten und Sachertorten, sondern bietet mit einem Beratungssystem Infos für Laien bis hin zu Spezialisten an. "Man kann die Vorlieben der beschenkenden Person angeben, und das System erstellt eine Palette an möglichen Produkten", erklärt Dörflinger, wovon Minimalisten profitieren könnten. Ziel sei es, mit der Homepage "alle an einen Tisch zu bekommen": Winzer, Verkäufer und Käufer. Mit über 50 Winzern und 3000 Produkten befindet sich das Projekt in der Testphase.

Dieses Projekt ist nur eines der rund 50 Ausgewählten, die es in die Landesvorausscheidung geschafft haben. Anfang Mai werden die Projekte der Kategorien Classics und Technics vor einer Expertenjury für die Bundesausscheidung konkurrieren. Die Kategorie Juniors ist für die jungen Bewerber unter 14 Jahre geschaffen worden - die besten fünf Projekte werden von einer Expertenjury erkoren und beim Bundesfinale präsentiert. Mehr Hürden stehen der Kategorie Classics am Weg ins Bundesfinale vor. Nur zehn Projekte schafften es in die Landesausscheidungen. Ebenso verhält es sich mit der Kategorie Technics, die für Schüler-Spezialisten im IT-Bereich gedacht ist.

Den starken Zuwachs an Einreichungen dieser Kategorie kann sich Cyberschool-Initiator Christian Czaak selbst nicht erklären. Generell sei aber die Motivation für das zahlreiche Mitmachen das praxisorientierte Feedback, sagt Czaak dem STANDARD. "Die Schüler bekommen genaue Rückmeldungen von Experten aus dem Fach - das ist etwas anderes als eine Beurteilung von einem Lehrer." Zudem sei Cyberschool "durchaus ein gutes Sprungbrett für die Zukunft", erläutert Czaak.

Dies kann der 19-jährige Harald Vogl, Maturaschüler der HTL Perg nur bestätigen. Mit einem Zeitaufwand von beachtlichen 600 Stunden, wobei ausschließlich in der Freizeit gearbeitet wurde, erstellte er mit einem Kollegen ein sehr praxisnahes Projekt. Im Auftrag der Voestalpine ermöglichten sie die Visualisierung der Prozessdaten von Stranggießanlagen im Internet. "Schon alleine der bekannte Partner ist lukrativ, man kann in die Praxis hineinschnuppern", erklärt Vogl und betont: "Unser Ziel ist, dass wir schon ein bisschen nach einem Arbeitsplatz schauen."

Weniger praxisnah, dafür von persönlichem Interesse gefärbt ist die Motivation für das Schulhomepage-Projekt des BRG Landeck. Andreas Grill, 18 Jahre alt, nimmt mit seiner Fachbereichsarbeit abermals an Cyberschool teil. "Den Kern habe ich heuer aber neu programmiert", beschreibt der Maturant einen Grund für seine diesjährige Teilnahme. Etwas überrascht ging er aus der letztjährigen Landesausscheidung, bei der er es nicht ins Finale schaffte, mit dem programmierten Content-Management-System, das Lehrern eine einfache Überarbeitung der Homepage ermöglichen soll. "Ein Kritikpunkt war, dass ich alleine geabeitet habe", erinnert sich Grill. Dennoch möchte er weiterhin an der modular aufgebauten Homepage arbeiten - auch nach seiner Matura.

Teamwork ist für die Cyberschool-Veranstalter Christian Czaak und Irina Slosar von großer Wichtigkeit. "Gruppenarbeit ist aufwändiger", meint Slosar, schließlich müsse man nicht nur das Projekt planen sondern sich auch mit den Kollegen koordinieren. "Diese soziale Komponente wird sehr geschätzt", betont Slosar. Teamfähigkeit sei eines der Ziele von Cyberschool. Czaak freut es besonders, wenn Teams schulübergreifend arbeiten und der Trend von "One-Man-Shows" abweicht.

Kunstvolles Internet Das fünfköpfige Team hinter dem Classics-Projekt "Promoting Petermandl" ist dafür ein gutes Beispiel. Nicht nur die Teamgröße, sondern auch die Thematik ist beachtlich. Die erstellte Homepage sollte den Maler Herbert Petermandl mithilfe neuer Medien zugänglicher werden zu lassen. "Kunst mit Internet in Verbindung zu bringen ist ein sehr interessanter Zugang", meint Philippe Aigner, 20, einer der Projektmitarbeiter der BHAK Steyr. Auch er schaffte den Schritt in die Landvorausscheidung und blickt optimistisch in die Zukunft. "Wir haben sehr gute Chancen", meint Aigner, dem aber auch die Konkurrenz bekannt ist: "Die anderen Projekte sind wirklich gut geworden. Das wird ein sehr knappes Kopf-an-Kopf-Rennen." (DER STANDARD, Louise Beltzung, Isabella Hager, Printausgabe, 19.4.2005)

  • Artikelbild
    cartoon: kilian k.
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