Österreichs "Fixstern" an der Croisette

19. April 2005, 13:39
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Sämtliche Kinoarbeiten Michael Hanekes wurden in Cannes präsentiert - Triumph 2001 mit "Die Klavierspielerin"

Wien - Michael Haneke ist Österreichs "Fixstern" am Kinohimmel von Cannes. Der erfolgreichste heimische Filmemacher hat bisher alle seine Kinoarbeiten an der Croisette präsentiert. Für eine Goldene Palme gilt Haneke als längst überfälliger Kandidat. Nachdem sein voriger Film "Wolfzeit" 2003 zwar im Wettbewerb, aber außer Konkurrenz startete, könnte es dieses Jahr endlich klappen.

Triumph 2001 mit "Die Klavierspielerin"

Als heimlicher Sieger wurde Haneke aber ohnehin schon 2001 gefeiert: Damals gewann seine Literaturverfilmung "Die Klavierspielerin" nach Elfriede Jelinek nicht nur den Großen Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals, sondern auch die beiden Schauspielpreise (Isabelle Huppert und Benoit Magimel). Der Film wurde in Folge in rund 50 Länder verkauft und zog über zwei Millionen Zuseher an.

1989 Kinoerstling "Der siebente Kontinent"

Sein Debüt in Cannes gab Haneke 1989 mit seinem Kinoerstling "Der siebente Kontinent". Die mit diesem Film begonnene "Trilogie der emotionalen Vereisung", zu der auch "Benny's Video" gehört, schloss er 1994 mit "71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls" ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Wahl-Franzose seine unverwechselbare filmische Sprache, die in Dramaturgie, Bildfindung und Erzählweise stets Verweise auf das Ungesagte zu geben sucht, bereits zur Perfektion entwickelt und sich in der Fachwelt den Ruf eines eigenwilligen, unbeirrbaren Filmkünstlers erworben.

1997 "Funny Games"

Hanekes Gewaltschocker "Funny Games" war dann 1997 nach 35 Jahren der erste österreichische Wettbewerbs-Beitrag bei den Filmfestspielen in Cannes und zugleich der Aufsehen erregendste und umstrittenste. Für seinen Streifen "Code Inconnu" (2000), der ebenfalls in den Wettbewerb geladen war, gewann er die französische Actrice Juliette Binoche, die auch in "Cache" eine Hauptrolle spielt.

"Wolfzeit" lief 2003 außer Konkurrenz

Hanekes erstmals rein französisch (u.a. mit Isabelle Huppert) besetzte österreichisch-französische Koproduktion "Wolfzeit" über eine Familie, die nach einer Katastrophe aus der Großstadt aufs Land flüchtet, lief 2003 außer Konkurrenz, weil auch der damalige Jury-Präsident Patrice Chereau mitspielte. Mit "Cache" startet er nun bereits zum fünften Mal im Wettbewerb. Im Mittelpunkt dieses Films steht der Präsentator einer literarischen TV-Sendung (Daniel Auteuil), dem heimlich aufgenommene Videos von sich und seiner Familie zugeschickt werden. Juliette Binoche spielt seine Ehefrau.

1942 in München geboren

Haneke, geboren am 23. März 1942 in München als Sohn der österreichischen Schauspielerin Beatrix von Degenschild und des Düsseldorfer Regisseurs und Schauspielers Fritz Haneke, und aufgewachsen in Wiener Neustadt, wollte ursprünglich Schauspieler oder Konzertpianist werden. Neben dem Studium der Philosophie und Psychologie in Wien versuchte er sich zunächst als Autor und arbeitete als Film- und Literaturkritiker. Von 1967 bis 1971 war er Redakteur und Fernsehspieldramaturg beim Südwestfunk in Baden-Baden. In dieser Zeit entstand sein erstes, noch unverfilmtes Drehbuch "Wochenende".

Debüt als Bühenregisseur in den Siebzigern

Anfang der 70er Jahre debütierte Haneke als Bühnenregisseur am Stadttheater Baden-Baden mit "Ganze Tage in den Bäumen" von Marguerite Duras. Es folgten Theater-Inszenierungen in Darmstadt, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Stuttgart, Hamburg, München und Wien. 1973 entstand Hanekes erster Fernsehfilm, "...und was kommt danach? (After Liverpool)" nach einem Text von James Saunders. Es folgten TV-Streifen wie "Sperrmüll" (1976), "Drei Wege zum See" (1976, nach Ingeborg Bachmann), "Lemminge" (1979), "Wer war Edgar Allan?" (1984, nach Peter Rosei), "Nachruf für einen Mörder" (1991) und später die Kafka-Adaption "Das Schloss" (1996).

Im Mozart-Jahr 2006 wird Haneke erstmals eine Oper inszenieren: "Don Giovanni" soll genau an Mozarts Geburtstag, dem 27. Jänner, an der Pariser Oper Premiere haben. (APA)

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    foto: wega film
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