Keine alten Schachteln flach legen

18. Oktober 2005, 22:22
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2004 gingen 181 Beschwerden ein - 40 Kampagnen beanstandet, in elf Fällen wurde zum Stopp aufgefordert - Mit Download

"Wann haben Sie zum letzten Mal mit Ihrem Chef geschlafen?" Der Werberat empfahl Jobfinder, diesen Spot sofort zu stoppen. Ebenso, wenn die ARA "alte Schachteln zuerst flach legen und dann entsorgen" lässt. 181 Beschwerden zu 40 Kampagnen erhielt der Werberat 2004. Elf riet er zu stoppen, bei sechs zu mehr Sensibilität.

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Den Österreichischen Werberat (ÖWR) haben im Vorjahr mit 181 Beschwerden deutlich mehr Beanstandungen erreicht als 2003 (98 Beschwerden). 40 Kampagnen wurden beanstandet: In elf Fällen forderte der ÖWR zum sofortigen Stopp auf, bei sechs Kampagnen wurde aufgefordert, in Zukunft sensibler vorzugehen, in 14 Fällen sah der Werberat keinen Grund zum Einschreiten, in neun Fällen schließlich war das Gremium zur Selbstkontrolle nicht zuständig, so ÖWR-Präsident Heinrich Schuster bei der Präsentation der Jahresbilanz 2004 am Dienstag in Wien.

Bezüglich der Anzahl der Beschwerden sieht Schuster im Zeitraum der vergangenen fünf Jahre einen "stabilen Korridor von 100 bis 250 eingelangten Beschwerden jährlich", heißt es in den Presseunterlagen. Für den Präsidenten der Beweis für eine "stabile Werbekultur" in Österreich. Zugleich werde die Notwendigkeit der Zusammenarbeit auf internationaler und europäischer Ebene immer deutlicher, wenn zum Beispiel Unternehmen, die aus dem Ausland agieren, durch unsaubere Praktiken auffallen. Die im Vorjahr in Brüssel verabschiedete "Selfregulation Charta" der European Advertising Standards Alliance (EASA) hat der ÖWR bereits in seine Geschäftsordnung integriert.

"Kein Handlungsbedarf"

Aktuell sorgen wieder einige sexuell konnotierte Sujets, vor allem im Unterwäschesektor, für Erregung. Der Werberat sehe aber "keinen Handlungsbedarf", heißt es: "Im Allgemeinen sehen wir bei den heimischen Unternehmen einen respektvollen und angemessenen Umgang mit Sexualität in der Werbung", so Schuster. Diese reagiere auch auf geänderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Die meisten im Jahr 2004 eingelangten Beschwerden bezogen sich auf die Kategorien "Täuschung und Irreführung" (rund ein Viertel), "Frauendiskriminierung" (18,6 Prozent), "Diskriminierung allgemein" (14,7 Prozent) sowie "betrügerische Werbemaßnahmen" (13,7 Prozent). Mitunter musste der ÖWR auch "drastische Maßnahmen einleiten", heißt es: In einem Fall wurde sogar der Antrag auf Entzug der Gewerbeberechtigung gestellt.

Seit 2004 gibt es die Möglichkeit der Online-Beschwerde via ÖWR-Homepage, die laut Schuster ausgesprochen gut angenommen wurde. Allerdings habe zugleich "die Qualität der Beschwerden abgenommen", beschrieb er den Umstand, dass sich viele Konsumenten nun recht spontan und unüberlegt melden und die Beschwerden daher mitunter mangelhaft begründet würden. Das Online-Service soll beibehalten, die Konsumenten aber noch genauer informiert werden, wurde angekündigt.

Information und Beratung gibt es auch für die Branche: Seit Herbst des Vorjahres bietet der Werberat auch die Möglichkeit, Kampagnen bereits in der Konzeptionsphase begutachten zu lassen. Dieses "Copy Advice Service" sei seit seinem Start immerhin drei Mal in Anspruch genommen worden, berichtete Schuster. (fid/APA)

  • Beschwerdefälle, bei denen der Werberat zum sofortigen Stopp der Kampagne aufgefordert hat

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