Immofinanz holt sich Geld für Osteuropa

2. Mai 2005, 11:24
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580 Millionen Euro frisches Eigenkapital erwartet - 50 Prozent der Investitionen sollen nach Osteuropa, 20 Prozent nach Deutschland fließen

Wien - Die börsenotierte Immofinanz stärkt sich mit der größten Kapitalerhöhung ihrer Geschichte für ein milliardenschweres Investitionsprogramm in Mittel- und Osteuropa (CEE). Mit der am Donnerstag beginnenden Ausgabe von 83,9 Millionen neuer Aktien zu einem Preis von je 6,90 Euro sollen 580 Mio. Euro an Eigenkapital ins Unternehmen geholt werden - was nach Schätzungen des Managements dem Unternehmen im nächsten Jahr Investitionen von 1,5 Mrd. Euro ermöglichen wird. Zur Begründung der großen Kapitalaufstockung führte Immofinanz-Chef Karl Petrikovics historisch günstige Akquisitionsmöglichkeiten in Osteuropa und Deutschland an.

70 Prozent der Aktionäre sind Privatpersonen

Obwohl praktisch alle österreichischen Immobilienfirmen bereits Kapitalerhöhungen durchgeführt haben (oder noch dabei sind) und mit dem Börsegang der Raiffeisen-Ost-Tochter ein großer Brocken auf den österreichischen Kapitalmarkt zukommt, hegen Petrikovics und Co-Vorstand Norbert Gertner keinen Zweifel, dass die jungen Aktien voll platziert werden können. Weil bei der Kapitalerhöhung nur ein Teil der Aktionäre mitziehen wird, erwartet sich Gertner eine Vergrößerung ihrer Zahl von derzeit ca. 75.000 auf dann 80.000.

Die Eigentümer der Gesellschaft sind breit gestreut, kein Aktionär besitzt mehr als ein Prozent. Mehr als 70 Prozent der Aktionäre sind laut Gertner Privatpersonen.

"Window of Opportunity" am deutschen Markt

Was die Investitionen selbst betrifft, sprach Petrikovics von einer "Jahrhundertsituation" in Osteuropa und mit Blick auf Deutschland von einem "Window of Opportunity, das sich die nächsten 40 Jahre nicht wiederholen wird". Wegen der Überreaktion der deutschen Märkte auf die Wirtschaftskrise seien deutsche Immobilien derzeit um 25 bis 30 Prozent billiger zu bekommen als vergleichbare österreichische. Schon in den nächsten Wochen soll der Kauf von 1.500 Wohnungen in Berlin finalisiert werden.

Rund 20 Prozent der Investitionssumme sollen in Deutschland, 50 Prozent in Osteuropa investiert werden, wobei man im Osten zunehmend auf steigende Kaufkraft und einen anziehenden Markt für Wohnungseigentum setzen will. Weil die Ost-Investitionen über die 51-Prozent-Tochter Immoeast erfolgen werden, steht auch bei dieser börsenotierten Gesellschaft in Kürze wohl eine Kapitalerhöhung an, sagte Petrikovics.

Investments auch in Italien und der Schweiz

Auch in der Schweiz und Italien sollen in kleinerem Ausmaß die Investments ausgebaut werden, insgesamt sollen 90 Prozent der Investitionssumme in den "Heimmarkt Mitteleuropa" gesteckt werden - wobei man sich in neuen Märkten nicht direkt, sondern über Beteiligungen engagieren wird. Kapital wird aber auch in US-Projekte in Houston und New York fließen.

Zu Ende des kommenden Wirtschaftsjahres 2005/06 (per 30. April) soll die Immofinanz nach den Planungen des Managements über ein Portfolio im Wert von 5,5 Mrd. Euro verfügen, einen Umsatz von 300 Mio. Euro und ein operatives Ergebnis von 210 Mio. Euro machen. Derzeit beläuft sich der Immobilienbesitz auf 3,8 Mrd. Euro, Umsatz und Ebit sollen im laufenden Jahr bei 200 bzw. 160 Mio. Euro liegen.

Bald wertvoller als die Voest

Sollten alle jungen Aktien wie geplant platziert werden können, ist die Immofinanz mit knapp 2,4 Mrd. Euro Marktkapitalisierung der sechstwertvollste an der Wiener Börse notierte Konzern. Das Immobilien-Unternehmen liegt damit hinter dem Ziegelproduzenten Wienerberger, dessen "Free Float" nach einem starken Kursanstieg und einer Kapitalerhöhung im vergangenen Jahr heute 2,6 Mrd. Euro wert ist. Die Immofinanz ist nach dieser Rechnung aber wertvoller als die voestalpine, die derzeit einen Börsenwert von 1,8 Mrd. Euro auf die Waage bringt. (APA)

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