Peking warnt Vatikan vor Verschlechterung der Beziehungen

13. Mai 2005, 11:33
2 Postings

Nach Einladung von taiwanesischem Präsidenten zu Papst-Begräbnis

Peking - Die Führung in Peking hat vor einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und dem Heiligen Stuhl gewarnt. Grund dafür ist die Teilnahme des taiwanesischen Präsidenten Chen Shui-bian an den offiziellen Trauerfeiern für den verstorbenen Papst Johannes Paul II auf dem Petersplatz in Rom. "Die Einladung des Vatikan an wichtige politische Persönlichkeiten Taiwans beeinträchtigt die Beziehungen", erklärte ein hoher Beamter der Informationsabteilung des Außenministeriums am Montag in Peking gegenüber österreichischen Journalisten.

Vatikan soll Unteilbarkeit Chinas anerkennen

Die Volksrepublik China sei "willens, die Beziehungen zum Vatikan zu verbessern und auch zu normalisieren", sagte Liu Jianchao, der stellvertretende Direktor der Informationsabteilung des Außenministeriums, der im Vorfeld des China-Besuchs von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel die österreichische Journalistengruppe empfing. Er fuhr fort: "Daher verlangen wir, dass der Vatikan die Unteilbarkeit Chinas, das heißt, die Ein-China-Politik, anerkennt, nämlich dass die Volksrepublik für ganz China steht."

Das kommunistische China erkennt die Autorität des Papstes nicht an, in der staatlichen "patriotischen Kirche" dürfen die Bischöfe daher nicht vom Papst ernannt werden. Die Zahl der Katholiken in der offiziellen Kirche wird auf rund fünf Millionen geschätzt, die Zahl jener, die im Untergrund und trotz Verfolgung loyal zum Papst stehen, auf vier bis zwölf Millionen. Die "patriotischen" Katholiken in China hatten für den verstorbenen Papst gebetet, in dem sie zumindest ein religiöses Oberhaupt sehen.

Eingeschränkte Religionsfreiheit

Im Jahresbericht über "Fortschritte bei den Menschenrechten", den der chinesische Staatsrat vergangene Woche veröffentlichte, heißt es trotz Kritik von außen zur Verfolgung von Rom-treuen Katholiken lediglich: "Bürger genießen das Recht auf Religionsfreiheit in Übereinstimmung mit dem Gesetz."

Die Kirche zum Hl. Josef in der Pekinger Hauptgeschäftsstraße Wangfujing ist ein Beispiel für die offizielle Kirche. Täglich werden dort zwei Frühmessen in chinesischer Sprache zelebriert, am Wochenende auch in Latein. Sonst ist das Gotteshaus geschlossen. Es dient jungen Chinesen als beliebtes Fotomotiv. Auch vor der Josefsstatue neben der Kirche lassen sich die Jugendlichen gerne ablichten - für sie ist das ein exotischer Hintergrund. (APA)

Share if you care.