Die Fahrscheine, bitte!

13. Mai 2005, 10:09
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Die "Aktion Scharf" in den Stadtbussen hält nun schon seit fast acht Monaten an. 20 neue Kontrolleure behalten in Salzburg die Übersicht.

"Die Fahrscheine, bitte!" Diesen Satz hat der 59-jährige Fahrscheinkontrolleur A.W. (Name bleibt aus Sicherheitsgründen ungenannt) seit dem 1. September des Vorjahres schon oft gesagt. Denn er ist vom Österreichischen Wachdienst eingestellt und sorgt in den Salzburger Stadtbussen für Ordnung. Die Salzburg AG hat im Sommer letzten Jahres die Aufgabe der Fahrscheinkontrollen "outgesourced". "Früher wurde viel zu wenig kontrolliert, da uns einfach das Personal dafür fehlte", so Dr. Claudius Egger von der Salzburg AG. "Der Österreichische Wachdienst war bei der Ausschreibung der beste Bewerber und ist seitdem Auftragnehmer des Stadtbus." Insgesamt 89 Interessenten bewarben sich für den Job als Kontrolleur. 40 von ihnen durchliefen ein strenges Auswahlverfahren mit psychischen Eignungstests, bevor schließlich die besten 20 Bewerber vom Österreichischen Wachdienst eingestellt wurden. Aufgenommen wurden nur "Leute, die mit beiden Beinen im Leben stehen und schon eine gewisse Reife mitbringen", so Egger. Diese mussten dann eine mehrwöchige Schulung besuchen, wobei sie vor allem psychologisch auf die Arbeit als Kontrollorgan vorbereitet wurden. In diese Ausbildung wurden mehr als 60.000 Euro investiert.

Eine Arbeit mit positiven und negativen Aspekten

Einer der neuen Fahrscheinkontrolleure ist A.W., der die Chance nutzte, um die letzen Jahre vor seiner Pensionierung einen neuen Job zu finden. "Mir gefällt an dieser Arbeit vor allem der Umgang mit Menschen und die Bewegung. Ich fühle mich richtig fit, seit ich Kontrolleur bin, weil man ja den ganzen Tag auf den Füßen ist", so der 59-Jährige. Allerdings hat die Arbeit als Buskontrolleur auch negative Seiten: "Man lernt Salzburg von einer ganz anderen Seite kennen", erzählt A.W. und weiter: "Durch die Arbeit bekommt man auch Einblick in die untersten sozialen Schichten und hat oft mit Obdachlosen oder Illegalen zu tun." In solchen Fällen drückt A.W. manchmal ein Auge zu, denn "wenn einer überhaupt nichts mehr hat, kann man ihm auch nichts nehmen." Dann kommt es auch vor, dass der Kontrolleur dem Schwarzfahrer ein Ticket bezahlt.

Service-Funktion der Kontrolleure

Natürlich entstehen auch Konflikte: "Manche reagieren aggressiv, aber wir wurden gut geschult, solche Leute dann wieder runterzubringen", so A.W., der in einer Tagesschicht durchschnittlich 20 Schwarzfahrer stellt. Die Ertappten bezahlen dann 60 Euro Bußgeld. Allerdings sind die Fahrscheinkontrolleure bei den Salzburger Stadtbussen nicht nur auf der Jagd nach Schwarzfahrern, sondern erfüllen auch andere Aufgaben. So sollten sie nicht nur über die verschiedenen Fahrscheine Auskunft geben können, sondern auch über die richtigen Linien und Abfahrtszeiten beraten. "Wir helfen alten Menschen oder Leuten mit Kinderwägen beim Ein- und Aussteigen. Außerdem ist es schon vorgekommen, dass behinderte Menschen orientierungslos waren und wir sie in ihre Betreuungsstätten zurückgebracht haben."

Von Seiten der Stadtbusse ist man mit dem Erfolg mehr als zufrieden: "Seit September letzten Jahres wurden nicht nur viel mehr Schwarzfahrer erwischt. Signifikant ist vor allem die Anzahl der Ticketverkäufe beim Busfahrer. Die sind um zirka 17 Prozent gestiegen", freut sich Egger von der Salzburg AG. (kai)

Weitere Informationen zu den Tätigkeitsbereichen des Österreichischen Wachdienstes finden Sie bei ÖWD. Online Informationen zu den Fahrplänen der Stadtbusse gibt es unter Stadtbus.

Alle Beiträge der Salzburg-Seiten von derStandard.at werden von Teilnehmern der Online-Lehrredaktion der Abteilung Journalistik an der Uni Salzburg in eigener Verantwortung erstellt.
  • Auf der Jagd nach Schwarzfahrern: Mitarbeiter des Österreichischen Wachdienst
    öwd/hauch

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