Raiffeisen liebäugelt mit Volksbanken-Entflechtung

2. Mai 2005, 12:45
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RZB-Paket der ÖVAG gegen Investkredit-Anteil

Wien - Neue Spielvarianten gibt es rund um die am Montag von der EU-Kommission gebilligte Übernahme der Investkredit durch die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG). Demnach könnten ÖVAG und Raiffeisen Zentralbank (RZB) ihre gegenseitigen Beteiligungen auflösen und die RZB dafür ihr 18,3-prozentiges Investpaket an die Volksbanken verkaufen.

Tauschmaterial

Bis jetzt haben sich im Investkredit-Mikado weder BA-CA ( 28,1 Prozent) noch RZB bewegt. Im Raiffeisen-Sektor wird aber längst nach Tauschmaterial Aussicht gehalten. Die jetzige Variante: ÖVAG verkauft ihre 5,11 Prozent, die sie an der RZB hält, an die Raiffeisenlandesbanken.

Im Gegenzug verkauft die RZB jene 5,7 Prozent, die sie an der ÖVAG hält. Eine Entflechtung der beiden genossenschaftlich organisierten Banken, die weder ÖVAG-Chef Franz Pinkl noch RZB-Manager kommentieren wollen.

Mit dem Auftrennen dieser Naht allein hätte Raiffeisen aber nicht genug; man spitzt nämlich auch auf die Hypo Niederösterreich, die zu 41 Prozent der ÖVAG und zu 59 Prozent dem Land Niederösterreich gehört.

Die Nieder-Hypo ist stark in der Infrastrukturfinanzierung der Gemeinden und Städte aktiv, und vor allem der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien ein Dorn im Auge. Das Paket Nieder-Hypo plus Entflechtung gegen die Investkredit-Anteile gefiele den Giebelkreuzbankern sehr, ist zu hören.

Stiller Gesellschafter

Raiffeisen war in der Sanierungsphase der Hypo in den Achtzigerjahren schon stiller Gesellschafter gewesen; bei der Teilprivatisierung in den Neunzigern hatte das Land die ÖVAG einem Konsortium aus "Z"-Erste-Raiffeisen vorgezogen.

ÖVAG-Chef Pinkl soll dem Tauschgeschäft dem Vernehmen nach - noch - nicht viel abgewinnen können. Die Hypo passe sehr gut zu den Aktivitäten der Investkredit; und vertragsgemäß hat Minderheitsaktionärin ÖVAG bei der Hypo die wirtschaftliche Befehlsgewalt.

Wie die Sache enden wird, beurteilt ein involvierter Banker so: "Pinkl wird zuwarten und allen Aktionären die Gelegenheit geben, gesichtswahrend auszusteigen." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.04.2005)

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