Physik, das Tor in die Welt der Spiritualität

19. April 2005, 12:02
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Hatte die Idee für das Lichtprojekt: die Physiklehrerin Maria-Magdalena Schäffer

Ja, schwärmt Maria-Magdalena Schäffer, sie bewundere Albert Einstein über alle Maßen. Aber nicht nur die wissenschaftlichen Theorien des Nobelpreisträgers begeistern die niederösterreichische Physiklehrerin. Es ist vor allem Einsteins Leben, sein vehementes Eintreten für den Frieden, das die 49-jährige Pädagogin, die dazu neigt, "die Welt mit philosophisch-religiösen Augen zu betrachten", bewundert.

Weltweite Lichtweitergabe

Mit umso mehr Stolz erfüllt es die "ehrgeizige" Tochter eines früheren ÖBB-Bediensteten und einer Hausfrau, heute mit dem großen Wissenschafter in einem Atemzug genannt zu werden: Schäffer hatte die Idee für die weltweite Lichtweitergabe, den Höhepunkt im laufenden Weltjahr der Physik zu Ehren Einsteins.

Dabei sei es ein Zufall gewesen, der sie auf diesen Einfall gebracht habe. Vor zwei Jahren habe sie in Graz an einer Vorbereitungskonferenz zu diesem Gedenkjahr teilgenommen. Und sei plötzlich in einem Workshop gelandet, der eine Antwort auf die Frage suchte, wie die Physik - laut der "total begeisterten" Lehrerin "leider noch immer das unbeliebteste Schulfach" - der Öffentlichkeit schmackhaft gemacht werden könne. Dabei habe sie dieser Geistesblitz getroffen. Davon angetan, hat sich die Österreichische Physikalische Gesellschaft für die Umsetzung der Idee "Physics Enlightens the World" erfolgreich beim Weltverband eingesetzt. Dienstagnacht strahlt das Licht auf seinem Weg um die Welt auch in Österreich. Dabei macht es freilich auch Station am Bundesgymnasium/Bundesrealgymnasium Biondekgasse in Baden, wo Schäffer unterrichtet.

Dort soll Goldmedaillengewinner Peter Seisenbacher das Licht in Empfang nehmen und weiterleiten, freut sich Schäffer: "Er ist dabei ein Symbol." Als Olympiateilnehmer verkörpere er das Ideal der Völkerverständigung, das durch das Weiterreichen des olympischen Feuers symbolisiert werde. "Diesen Gedanken tragen wir mit dem Lichtsignal um die Welt." Physik sei eine Grundlage der Entwicklung der Menschheit und ihrer Zivilisationen - unabhängig von Kultur, Nation und politischem System.

Bindeglied

Dass sie darin ein Symbol für den Weltfrieden sieht, will Schäffer gar nicht verheimlichen. "In meiner sehr spärlichen Freizeit widme ich mich religiösen Aspekten." Dabei sei die Physik sehr oft das Bindeglied zwischen der alltäglich wahrgenommenen Welt und der Spiritualität. Dies fülle, neben dem Unterricht, ihr Leben so ziemlich aus, Hobbys habe sie eigentlich keine. Oft zum Leidwesen ihres Partners, eines Vermögensberaters, der ihre Leidenschaft für Physik nicht wirklich teilen könne. Nach dem Rummel um die Lichterkette wolle sie ihm nun wieder mehr Zeit widmen - bevor sich die ambitionierte Pädagogin ihrem großen Ziel zuwendet: "Eine leitende Stelle im Schulsystem." (Andreas Feiertag/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.4. 2005)

  • Maria-Magdalena Schäffer
    foto: standard
    Maria-Magdalena Schäffer
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