"Meine Wohnung ist 'Star Wars'-freie Zone"

18. April 2005, 19:14
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Seit 1977 spielt der britische Schauspieler Anthony Daniels den Roboter "C-3PO". Mit ihm beginnt (und endet) die "Star Wars"-Saga - Interview über eine ziemlich einzigartige Karriere

I, Robot - für keinen gilt das mehr als für den britischen Schauspieler Anthony Daniels. Die ganze Welt kennt ihn seit Jahrzehnten nur als C-3PO, den goldenen Roboter aus der Star Wars-Saga. In den Anfängen wurde der Darsteller sogar bewusst vor der Öffentlichkeit versteckt, weil es den Mythos gefährdet hätte, wenn in der goldenen Roboter-Schale ein banaler menschlicher Kern steckt. Inzwischen darf er sich der Welt zeigen. Und ist stolz, dass er als einziger Darsteller bei allen sechs Episoden mit von der Partie war.

STANDARD: Tragen Sie den C-3PO-Anzug bisweilen auch zu Hause?

Daniels: Nein, in meiner Wohnung habe ich absolut nichts von Star Wars. Es gehört nicht zu meinem Lebensstil. Zum letzten Mal trug ich das Kostüm vor einer Woche für eine Werbeveranstaltung für M&M auf dem Times Square in New York. Davor drehten wir einen Werbespot für eine Telefongesellschaft sowie für drei Programme des Discovery Channel. Es geht immer weiter . . .

STANDARD: Wie lange dauert es, bis Sie das Kostüm anhaben?

Daniels: In den ersten Drehtagen 1976 benötigten wir zwei Stunden und sechs Helfer, bis ich komplett im Kostüm war. Inzwischen brauche ich nur noch fünf Minuten und eine Person dazu. Es ist noch immer das gleiche Kostüm.

STANDARD: Hatten Sie nie das Buzz-Aldrin-Gefühl: Man war zwar auf dem Mond, aber keiner weiß so richtig, wer man ist?

Daniels: Anfangs fühlte ich mich schon von dem ganzen Rummel ausgeschlossen, weil der Verleih den Mythos des Roboters nicht preisgeben wollte: Alle redeten über C-3PO, aber keiner über mich. Aber jetzt, so viele Jahre später, sitze ich hier und erzähle über mich. Zudem hatte ich den ersten Dialog in der ersten Folge - und nun den letzten Dialog in der letzten Folge. Diese Szene spielt übrigens in der gleichen Kulisse!

STANDARD: Was war das verrückteste Merchandising von und mit C-3PO?

Daniels: Es gibt eine gelbe Seife in seiner Gestalt. Wie jede Seife, verändert natürlich auch diese bei der Benutzung ihre Form. Und plötzlich hat man diese sehr seltsame gelbe Form im Badezimmer: Stellen Sie sich den Oscar ohne Gesicht und Hände vor, dann haben Sie etwa die Form (lacht). Der zweite merkwürdige Artikel ist ein Klebeband-Abroller aus Keramik, bei dem C-3PO auf dem Rücken liegt und die Rolle mit Klebeband zwischen seinen Knien aufgehängt ist - so geschmacklos, dass es fast schon wieder gut ist.

STANDARD: Wurde es nicht langweilig, immer wieder über diese eine Rolle zu reden? Was war die dümmste aller Fragen?



Daniels: Natürlich kommt immer die Frage, ob es nicht heiß in diesem Kostüm wäre oder wie man damit zum Pinkeln geht. Zu den dümmsten Fragen gehört sicherlich: "Wie kommen Sie überhaupt in diesen kleinen Roboter hinein, Sie sind doch relativ groß? - Ach, so, Sie spielen den anderen Roboter!"

STANDARD: Wie würden Sie die Beziehung von R2-D2 zu C-3PO beschreiben?

Daniels: Die clevere Idee von George Lucas war, dass er die beiden als seltsames Paar konstruiert hat. Er hat C-3PO einen Benimm gegeben, der völlig nutzlos ist in jener Welt, in der er lebt. Zum Glück hat er diesen kleinen Typen, der völlig ganz anders ist. Ihre Beziehung ist absolut archetypisch. Es könnten Brüder sein. Ein Ehepaar. Oder zwei Freude in einem Strandhaus, denen alles schief geht.

STANDARD: Nach sechs Folgen "Star Wars" - wann ziehen Sie für sich persönlich den Schlussstrich?



Daniels: Ich bin jetzt 60, vielleicht gibt es eine Zeit, wo ich absolut nichts mehr damit zu tun haben möchte. Wobei ich auch schon Zeiten habe, in denen ich mich zurückziehe. Meine Freundin und ich haben ein Haus mit einem großen Garten in Frankreich - das ist eine absolut Star Wars-freie Zone. Anderseits kann ich "ihn" auch nicht so einfach verlassen. Was soll er ohne mich schon tun?

STANDARD: Was sollten Sie ohne ihn tun? Schreiben Sie eine Biografie à la "Ich bin nicht Spock"?

Daniels: Ich besuche jedes Jahr Fan-Treffen in Europa und in Amerika. Ich möchte aber nicht den Rest meines Lebens damit verbringen, an jedem Wochenende Autogramme zu schreiben. Zumal in E-bay-Zeiten damit viel Schindluder getrieben wird. Auf meiner Homepage gibt es eigens Beispiele von solchen gefälschten Autogrammen. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.04.2005)

Von Dieter Osswald
  • "Menschlicher Kern" im goldenen Roboter-Outfit: Anthony Daniels
    foto: osswald

    "Menschlicher Kern" im goldenen Roboter-Outfit: Anthony Daniels

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