
Kampl: Im "nationalen Denken sehr heimatverbunden".
Bereits zuvor hatte Kampl festgehalten, er hätte nicht gesagt, "dass alle Deserteure Mörder sind". Man solle lediglich jene überprüfen, die Kameraden ermordet hätten. Kampl versuchte auch, seine Aussagen über die "brutale Nazi-Verfolgung nach 1945" zu rechtfertigen. Er habe damit nur versucht zu zeigen, dass auch nach 1945 "vieles nicht in Ordnung" gewesen sei. Daher solle man jeden Fall einzeln prüfen. Kampl forderte, man müsse zwischen "Mördern und Menschen, die für die Freiheit Österreichs" gekämpft hätten, unterscheiden.
Zur Ideologie des Nazi-Regimes meinte der Bundesrat, da gebe es vieles zu verurteilen und nichts zu beschönigen. Man müsse bei der Beurteilung aber auch die Situation 1938 berücksichtigen: "Es herrschte große Armut, das Volk wollte eine Veränderung, dass diese Veränderung so ausfällt, damit konnte niemand rechnen." Er selbst habe immer ein distanziertes Verhältnis zu dieser Zeit gehabt, sagte Kampl und betonte, dass er in den mehr als 30 Jahren seiner politischen Tätigkeit "immer ein Demokrat" gewesen sei.
Neuer Bundesrats-Vorsitzender
Seitdem der Bundesrat vergangenen Freitag für Neuwahlen gestimmt hatte, steht das sonst im politischen Abseits befindliche Gremium im Fokus der Öffentlichkeit. Ab ersten Juli wird es mit dem Kärntner Kampl einen neuen Vorsitzenden haben - und der fiel bei der letzten Plenarsitzung der Länderkammer durch bedenkliche Wortmeldungen auf.
Wehrmachtsdeserteure seien "zum Teil Kameradenmörder", man müsse sehen, "mit welchen Menschen wir es zu tun haben", antwortete Kampl auf eine dringliche Anfrage des Grünen-Bundesrates Stefan Schennach zum Thema Rehabilitierung von NS-Opfern. Nachsatz des Landwirtes und Gurker Langzeitbürgermeister: Diese "Mörder" seien "keine Einzelfälle", sondern "katastrophale Zustände" gewesen. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es zudem eine brutale "Naziverfolgung" gegeben, meinte Kampl weiters, man müsse daran erinnern, "mit welcher Arroganz" 1945 Politik betrieben wurde.
Im STANDARD-Gespräch steht Kampl vollinhaltlich zu seinen Aussagen. Er bezeichnet sich selbst als "national", aber "nicht so weit rechts stehend" wie ein Andreas Mölzer oder Ewald Stadler. Er versuche, "in der Mitte zu stehen", und betont, in seinem "nationalen Denken sehr heimatverbunden" zu sein. Die Abspaltung des BZÖ von der freiheitlichen Mutterpartei trägt Kampl als Haider-treuer Kärntner "selbstverständlich" mit.
"100 Prozent" NSDAP-Mitglieder
Kampl hat auch im Radio-Morgenjournal des ORF bekräftigt, dass Wehrmachtsdeserteure zum Teil "Kameradenmörder" seien und es nach dem Zweiten Weltkrieg eine "brutale Naziverfolgung" gegeben habe. Er habe dies am eigenen Leib miterlebt. "Ich war 1945 noch ein Kind und habe das miterlebt. Die Mutter war verstorben, wir waren fünf Kinder. 1945 hat man den Vater weggeholt". Ob sein Vater bei der NSDAP gewesen sei? - Kampl: "Ja bittschön, das waren ja über 99 Prozent. Da waren ja 100 Prozent alle Mitglieder".
Und zur Aussage über "Kameradenmörder" stellte Kampl fest, "ich habe nicht gesagt, dass alle Deserteure Mörder sind. Nur jene, die Kameraden ermordet haben und dann desertiert sind. Solche gibt es, zum Beispiel oben im Norden, die haben Kameraden umgebracht und sind zu den Russen übergelaufen".
"Destruktive Subjekte" Stadler und Mölzer
Eine Unvereinbarkeit angesichts dieser Äußerungen mit seiner Funktion als Mandatar im Bundesrat, der auch noch im Juli turnusmäßig den Vorsitz im Bundesrat übernimmt, sieht Kampl nicht. Der freiheitliche Bundesrat trägt die Abspaltung des BZÖ von der FPÖ als Haider-Treuer Kärntner "selbstverständlich" mit. Haider hatte ja die Abspaltung vor allem damit begründet, dass man sich von Ideologien des 19. Jahrhunderts verabschiede. Ein Grund war auch die Trennung von "nationalen" Vertretern wie Andreas Mölzer oder Ewald Stadler, die der frühere FPÖ-Chef als "destruktive Subjekte" bezeichnete.
Kampl betonte am Dienstag auch gegenüber der APA, er stehe "zu jedem Wort", das er im Zusammenhang mit Deserteuren aus der deutschen Wehrmacht gesagt habe. Auch einer seiner Verwandten sei an der Nordfront von Deserteuren erschossen worden, berichtete Kampl: "Die haben im Bunker von den russischen Linien her die Musik und die Propaganda gehört und sind dann übergelaufen", wobei sie auf die eigenen Kameraden geschossen hätten.
Kampl will am Mittwoch in Klagenfurt eine Pressekonferenz abhalten. "Dabei werde ich meine Worte mit Hilfe von Unterlagen untermauern", sagte er.
Kärntner Vorsitz
Ab Juli soll der Mann mit dem blau-orangen Geschichtsverständnis turnusmäßig den Vorsitz im Bundesrat übernehmen. Nach dem Burgenländer Georg Pehm (SPÖ) ist nach alphabetischer Reihenfolge nun nämlich der Kärntner Landtag am Zug, den Erstgenannten der stimmenstärksten Partei - eben Siegfried Kampl - an die Spitze der Länderkammer zu stellen.
Das ist nicht nur ob des "tiefsten FPÖ-Gedankenguts" (Stefan Schennach) des Gurker Bürgermeisters von Brisanz, es hat auch Auswirkungen auf die ohnehin wackelige Regierungsmehrheit im Bundesrat. Führt Kampl zum Zeitpunkt einer Abstimmung den Vorsitz und droht bei seiner Stimmabgabe Stimmengleichheit, darf er nicht mitstimmen - genauso wie es vergangenen Freitag unter der Vorsitzführung von Jürgen Weiss (ÖVP) beim oppositionellen Neuwahlantrag der Fall war.
Hätte die Abstimmung übrigens fünf Minuten später stattgefunden, wäre gemäß dem Eineinhalbstundentakt Anna Elisabeth Haselbach (SPÖ) mit der Vorsitzführung an der Reihe gewesen - und das Abstimmungsergebnis wäre wahrscheinlich anders ausgegangen.
Weiss wünscht sich eine Geschäftsordnungsreform, die die Stimmenthaltung des Präsidenten abschafft. Bei der Sonderpräsidiale am Dienstag wird der Abstimmungsmodus ebenso Thema sein wie die Handgreiflichkeiten der zwei ÖVP-Bundesrätinnen. (Karin Moser, DER STANDARD, Print, 19.4.2005/APA)
ich hab mit meinem letzten beitrag anscheinend was losgetreten. zur klaerung, dem herrn kampl hab ich _im_zweifel_ zugestanden, dass damals "alle" bei der NS waren. die antworten auf meinen beitrag sehen das anders. wie auch immer.
fuer mich war der springende punkt der, dass der alte herr es nicht vermag sich richtig auf deutsch auszudruecken, was ihn schon alleine fuer die politik disqualifiziert. einen alten herrn der sich im tattern und stammeln von nazistologischen gedanken uebt gehoert nicht recht in den bundesrat oder nationalrat oder in irgendeinen was-auch-immer rat.
die ganze sauerei geht aber allaanich aufs konto des kanzlers, der mit dieser rotte trotz allem noch immer gemeinsame sache macht.
ich verüble es der övp sehr, dss sie in so einer situation nicht orentlich stellung bezieht, aber:
warum soll der kanzler daran schuld sein?
es ist mies, nicht stellung zu beziehen - aber die verantwortung hat schon in erster linie der besagte herr, in zweiter linie seine eigene partei.
wenn schon fortsetzten, dann so: in dritter linie die spö kärnten, die ihren koalitionspartner nicht (ausreichend) unter druck setzt, den typen vorsitzenden werden zu lassen - der bundesrat ist die länderkammer(!), und in vierter linie die vp.
ach wie arm, mein beileid :-/ herr kampl vergisst nur, dass nur jene "weggeholt" wurden, die bereits illegale nazis vor dem einmarsch hitlers waren. diese waren dann in lagerhaft und über diese wurde auch vor gericht verhandelt. auch bei meinem grossvater war es so, und dies voll zu recht, auch wenn er "nur" ein laut gerichtsakten "ruhiger nazi" war. faktum ist, dass diese menschen ein verbrecherregime unterstützten und verfolgten nicht halfen. und dass offenbar sehr viele von ihnen all den mist, an den sie glaubten, an ihre kinder siehe kampls "privatmeinung" weitergaben...
Österreich und durchaus auch Deutschland suhlen sie noch immer in der Lüge, die Wehrmacht hätte eh nix böses getan.
Das "Unternehmen Barbarossa" wurde im Jahr 2005, dem Ende des Krieges!!!(Krieg? welcher Krieg?) noch kein einziges Mal erwähnt. Mit keinem Wort wurde des Genozids an der russischen Bevölkerung während der deutschen Besatzung (41-44) gedacht, obwohl dabei 11-13 Millionen Zivilisten durch Massenexekution, Zwangsarbeit, Vergasung und klein-lkw, gezieltes Verhungern und Erfrieren lassen vorsätzlich ermordet wurden. 56% der Sowjetischen Kriegsgefangenen wurden ermordet(vergleich: 3,6% der westallierten Kriegsgefangenen).
DAS waren die "Kameraden".
Wenn einer schon SIEGFRIED heisst, ist das zu vernachlässigen.
Wenn dieser Herr aber alt genug ist, um bei der Wehrmacht gewesen zu sein, dann ist er mit 78.93% einer jener, die auf andere aus ÜBERZEUGUNG geschossen haben um zu töten - und das nennt man noch immer...........
...so ausfällt, damit konnte niemand rechnen." doch, doch, konnte man, auch wenn gewisse kreise im lande nicht müde werden, gegenteiliges zu behaupten. nachzulesen schon im literarischen großwerk des führers, welches bekanntlich in den 20ern entstanden ist und dem nach veränderung dürstenden volk zumindest bis 1938 bekannt hätte sein können.
Sie können 560.000 Einwohner nicht unter einen einzigen Hut bringen, merken Sie sich das!
Mit solchen Gleichungen hätten sie vieleicht unter Dumpfbacken Erfolg.
Ich persönlich kenne mehrere sehr nette Kärntner Landsleute, die mit dieser Ideologie nichts am Hut haben.
dass die ueberwiegende Mehrheit der Kaertner (wie auch aller anderen Oesterreicher) mit dem Schmarrn von vorvorgestern nichts am Hut hat.
Nun muss man nur vorsichtig sein und nicht den Trugschluss ziehen, dass jeder der die FPOE (oder wie immer sie jetzt genannt wird) waehlt so denkt wie einige ihrer Funktionaere. Denn der Grund fuer die Wahlentscheidung liegt ja bei den meisten wo anders.
natürlich denkt nicht jeder fpö-wähler so wie einige ihrer funktionäre. nebenbei denken auch nicht alle deren funktionäre so.
na und? aber zumindest dulden deren wählen das dauernde braune gerülpse.
und das sind ja keineswegs nur die 42 %, die fp gewählt haben.
dass der ganze braune unsinn in kärnten noch immer mehr geduldet wird wie im rest österreichs, liegt unter anderem an der kärntner sp, die - euphemistisch gesprochen - jegliche chance, die "angehauchten" nationalen kärntner sanft zu aufgeklärten demokraten zu machen, ungenutzt liess.
für leute ohne historischen background: sucht mal nach sp-landeshauptmann leopold wagner. (bis 1988, stolz auf seine vergangenheit als "hochradiger" hitlerjunge, etc. etc.)
was hier in letzter zeit nach dem fpö-bigbäng so alles an die oberfläche gespült worden ist und wird....
es kommt einem nur mehr das stille grausen und pausenlose erbrechen....!!!! wie lange soll österreich noch auf neuwahlen warten? die situation rund um "övpbzöfpö" ist einfach untragbar geworden!
kann ich wieder beruhigt schlafen...
Man hat sich ja vor lauter Neugründung und Neugesinnung und überHaupt schon nicht mehr ausgekannt und so - aber jetzt endlich: die alten Töne, das alte Lied, die gleiche nein selbe herbstliche Farbe. Endlich weiß man wieder: nix hodd se g'ändat!
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