"Streber" Morak und sein unauffälliger Kunstbericht

17. Mai 2005, 12:11
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Die Ausgaben für die Kunstförderung stag­nierten auch 2004: Der Staats­sekretär gab 80,42 Millionen Euro aus - Analyse mit Kommentar

Und Morak setzte einige sonderbare Schwerpunkte: 1,6 Millionen Euro gab es für die Wörtherseebühne.


Wien – 2001 war ein ganz besonderes Jahr: Damals gab das Kunststaatssekretariat stolze 108,87 Millionen Euro aus. Diese Summe ist die bisher höchste in der Kunstförderung, überragt selbst jene in der Ära von SP-Minister Rudolf Scholten (1990–1997), als das Kunstbudget äußerst rasant wuchs. Doch Kunststaatssekretär Franz Morak (VP) überzog den ihm zugestandenen Etat von 80,96 Millionen um über 20 Prozent: Die Renovierung des Musikvereins, der schon damals bewilligte Zuschuss zum Umbau des Kleinen Festspielhauses in Salzburg in ein Mozart-Haus und die Vorauszahlung für das Grazer Kulturhauptstadtjahr 2003 schlugen sich gehörig zu Buche.

Auch wenn es in den Folgejahren immer wieder Sonderinvestitionen gab: 2001 bleibt ein Ausreißer. Das Kunstbudget stagniert weiterhin. Laut Voranschlag wurden dem Staatssekretär im Vorjahr 82,48 Millionen Euro zugestanden; der Erfolg lag bei 80,42 Millionen. So ähnlich war es auch in den Jahren zuvor: 2002 gab Morak statt möglichen 82,76 Millionen nur 80,98 Millionen aus, 2003 statt 82,48 nur 80,04 Millionen.

Das bedeutet aber nicht, dass der Staatssekretär freiwillig auf Geld für die Kunst verzichtet hätte: Es gab eben eine Budgetbindung. Und Morak hielt sich brav an die Vorgaben. Er ist geradezu ein Streber unter den Kulturpolitikern: Bereits am Montag legte er dem Ministerrat den Kunstbericht für 2004 vor. Jener des Wiener Kulturstadtrates Andreas Mailath-Pokorny (SP) wird erst Ende Juni erscheinen. Und Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) hat noch nicht einmal den Kulturbericht 2003 veröffentlicht.

2004 gab Morak also 80,42 Millionen Euro aus – um rund 380.000 mehr als im Jahr zuvor. Doch wie schon seine Vorgänger legt er nur über die Förderungen und Aufwendungen Rechenschaft ab. Sie machten 79,39 Millionen aus: Die ist das drittschlechteste Ergebnis seit über einem Jahrzehnt, übertroffen nur 2000 (77,06 Millionen) und 2002 (78,79 Millionen). Zwischen 1994 und 1998, also zu Zeiten der SP-Kunstpolitik, pendelten die Ausgaben zwischen 81,15 und 83,6 Millionen.

Eines aber erscheint positiv: 2004 machte der Betrag, den Morak nicht offen legt, nur mehr 1,03 Millionen aus. 2003 waren 1,25 Millionen gewesen, 2002 sogar 1,43 Millionen. Dennoch wäre es interessant zu erfahren, wofür selbst diese Million im Einzelnen verwendet wurde.

Bei den im Kunstbericht veröffentlichten Zahlen sind grobe Veränderungen kaum festzustellen. Viele Ansätze blieben gleich – was de facto eine leichte Kürzung bedeutet, da die Inflation nicht abgegolten wurde. Erhöht wurden die Subventionen für die Literaturhäuser und etliche Filminstitutionen: Das Österreichische Filminstitut (ÖFI) schüttete 9,23 Millionen aus (2003 waren es 8,32 Millionen gewesen), Sixpack Film erhielt 253.800 Euro – um 16,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Cine Culture Carinthia

Die Top Ten der größten Fördernehmer blieb bis auf eine Ausnahme gleich: Das ÖFI führt weiterhin vor dem Theater in der Josefstadt (5,52 Millionen), den Salzburger Festspielen (4,95 Millionen), dem Wiener Volkstheater, der Bregenzer Festspielen, den Wiener Philharmonikern, dem Theater der Jugend in Wien und dem Kulturkontakt Austria. Einen Neueinsteiger gibt es auf Platz neun: Die Cine Culture Carinthia – sprich: die desaströse Wörtherseebühne – erhielt 1,6 Millionen Euro.

Auch wenn Morak zaghafte Versuche in Richtung Umverteilung machte, lässt sich die Behauptung, Wiener Institutionen würden weit weniger Geld als früher bekommen, am Kunstbericht nicht ablesen: Das Volkstheater erhielt zwar statt 4,76 Millionen nur deren 4,58, das Theater der Jugend statt 1,81 nur 1,75 Millionen, die Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur hingegen durfte sich über eine zehnprozentige Subventionserhöhung auf eine Million freuen. Das Klangforum Wien erhielt für seinen Probenraum zusätzliche 200.000 Euro, die Wiener Kammeroper zwar um 20.000 Euro weniger (650.000 Euro), die Secession Wien aber um 20.000 Euro mehr (220.000 Euro).

Für das neue Projekt Central and Eastern European Musiktheater stellte Morak 220.000 Euro zur Verfügung. Auffällig sind die Subventionen für die negativ kritisierte Wanderausstellung EU & YOU im Vorjahr mit 325.300 Euro und die von Yvonne Weiler initiierte Schau Neue Abstrakte Malerei aus Österreich mit 269.700 Euro: Sie wird am 22. April vom Bundeskanzler im Schanghai eröffnet. Das nennt man wohl Schwerpunktsetzung. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.04.2005)

  • Der Bund kaufte 2004 rund 150 Kunstwerke an - darunter diese titellose Arbeit von Gregor Zivic (C-Print auf Aluminium, 90 x 90 Zentimeter).
    foto: artothek des bundes

    Der Bund kaufte 2004 rund 150 Kunstwerke an - darunter diese titellose Arbeit von Gregor Zivic (C-Print auf Aluminium, 90 x 90 Zentimeter).

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