UNICEF-Studie: Weltweit mehr Schulkinder als je zuvor

24. Oktober 2006, 13:59
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Aber von UN-Zielen noch weit entfernt - Weiter "riesige Kluft" zwischen Burschen und Mädchen

Köln/Wien - Weltweit gehen heute mehr Kinder zur Schule als je zuvor. In diesem Jahr wird die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen, voraussichtlich erstmals unter 100 Millionen sinken, wie die UNICEF im Bericht "Fortschritt für Kinder" am Montag mitteilte. Zu Beginn des Jahrtausends waren weltweit noch 121 Millionen Kinder im Grundschulalter vom Schulbesuch ausgeschlossen. Trotzdem wird Millionen Mädchen nach wie vor eine Grundbildung verweigert - bei den Schulbesuchsraten gibt es eine "riesige Kluft" zwischen den Geschlechtern. Pessimistisch zeigt sich das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen bei der Erreichung des UN-Millenniumsziels "Schulbesuch für alle bis 2015": Dieses werde mit den derzeitigen Schulbesuchsraten nicht erreicht.

In dem am Montag veröffentlichten Bericht "Fortschritt für Kinder" wurde der Schulbesuch von Mädchen und Burschen in 180 Ländern untersucht, wobei nur für 125 Staaten Daten vorlagen. Überprüft wurde die Umsetzung des Millenniums-Ziels der Vereinten Nationen, bis 2015 alle Kinder in die Schule zu bringen. Demnach gibt es große regionale und geschlechtsspezifische Unterschiede. So sind allein in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara 45 Millionen Kinder vom Schulbesuch ausgeschlossen. In Südasien gehen 42 Millionen Kinder nicht in die Schule.

Die Einschulungsraten für Mädchen sind zwar seit 1980 überall gestiegen. Doch immer noch kommen im weltweiten Durchschnitt auf 100 Burschen, die nicht in die Schule gehen, 117 Mädchen ohne Zugang zu Unterricht. Am schlechtesten sind die Bildungschancen für Mädchen im Vergleich zu den Burschen in den Ländern Jemen, Niger, Tschad, Burkina Faso, Mali, Elfenbeinküste, Guinea Bissau, Benin und Guinea (60 bis 70 Mädchen pro 100 Burschen in der Grundschule). In Südasien sind Mädchen in Afghanistan und Pakistan am stärksten benachteiligt. In der ganzen Region sind allein 23,5 Millionen Mädchen nicht in der Schule - fünf Millionen mehr als Burschen. Das UN-Teilziel, bis 2005 die Benachteiligung der Mädchen beim Schulbesuch zu beenden, wird im Nahen Osten, Nordafrika, West- und Zentralafrika sowie in Südasien nicht erreicht.

Als Hindernisse für den Schulbesuch generell werden Armut, fehlende Schulbildung der Mutter, AIDS, Kriege, Kinderarbeit, Kinderhandel und Naturkatastrophen genannt. In einem Entwicklungsland sind etwa die Chancen von Kindern aus den ärmsten Familien auf Schulbesuch durchschnittlich drei Mal so gering wie die ihrer Altersgenossen aus den reichsten Familien. Und: 75 Prozent der Kinder in Entwicklungsländern, die nicht in die Schule gehen, haben Mütter, die ebenfalls nie eine Schule besucht haben.

Die Erreichung von "Schulbildung für alle" bis 2015 würde laut UNICEF ein "radikales Umdenken" erfordern: So müssten etwa alle Staaten Schulbildung als Menschenrecht anerkennen und nicht als "zusätzliche Option, falls die Budget es erlauben". Positive Beispiele seien etwa die Abschaffung der Grundschulgebühren in Kenia, Malawi, Tansania und Uganda. Umgekehrt verlangt die UNICEF eine Erhöhung der internationalen Hilfe: Nötig wären jährlich zusätzlich 5,6 Mrd. Dollar (4,35 Mrd. Euro). (APA)

  • Artikelbild
    foto: epa/michael reynolds
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