Die gekürten Rezepte eines Anlageprofis

26. Mai 2005, 19:52
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Vermögensanlage ist für ihn ein Lebensthema. Die Erfolge dabei können sich sehen lassen: Gottfried Urban, Neue Vermögen AG

Bei einer Fondsverwalter-Meisterschaft, an der 22 professionelle Vermögensberater der deutschen Topliga teilnahmen, belegte er im Vorjahr Platz I und in der Zwei-Jahres-Wertung mit knappem Abstand Platz zwei.

"Man muss über den Tellerrand hinausschauen", sagt Gottfried Urban (43), Vorstandsmitglied der Neuen Vermögen AG. Und dabei möglichst die landläufigen Fehler vermeiden.

Als da zum Beispiel sind: Heimatliebe, Branchenvorzug, Aktiengewichtung, Leichenkeller. Heimatliebe, die sich allzu sehr auf den Markt vor der Haustüre konzentriert. Branchenvorzug gehört in eine ähnliche Kategorie: Man konzentriert sich auf die Branche, von der man am meisten zu verstehen glaubt.

Die Aktiengewichtung soll dem Anlagehorizont entsprechen, also je kürzer, umso risikoärmer. Die Neigung zum Leichenkeller ist überhaupt weit verbreitet, indem Aktien die irgendeinem Modetrend folgend einmal gekauft wurden, trotz fallender Kurse und ohne Chance, den Einstand in absehbarer Zeit wieder zu erreichen, im Depot verbleiben, als Klotz am Bein weiter mitgeschleppt werden. Wer kennt sie nicht, diese Anlegersünden. Und wer begeht sie nicht?

Urban hat seinen Markowitz gründlich studiert. Der US-Ökonomie-Professor, Erfinder der Portfolio-Theorie und damit Nobelpreisträger, stellte fest, dass sich durch die richtige Anlagemischung nicht nur das Risiko vermindern, sondern auch die Rendite erhöhen lässt. Freilich versucht heute fast jeder, mit diesem Ansatz zu arbeiten.

Der Bayer hat ihn auf eine Art Dachfonds angewendet, der nicht nur Aktien- und Rentenfonds, sondern auch Immobilien-Fonds enthält. Gedacht ist die Anlage für Investoren des mittleren Risikotyps mit einem Anlagehorizont von zehn Jahren.

Das heißt, dass wenigstens drei Fonds mit reduziertem Risikoprofil (also nicht Aktienfonds) enthalten sein müssen. Es bedeutet aber nicht, dass alle Fonds auch zehn Jahre durchgehalten werden sollen oder müssen.

Bevorzugt werden kleinere Fonds unabhängiger Anbieter, insgesamt aber eine Mischung von Klassikern mit unbekannten, jungen Fonds. Von den elf Fonds, die er 2004 im Portfolio hatte, gehörten sechs am Jahresende zu den zehn besten ihrer Klasse, drei waren überhaupt Klassensieger. Aus einem Topf von 7000 Fonds.

Heimische Anleger können das Wettbewerbs-Portfolio, das für den großen deutschen Markt konzipiert ist, nur beschränkt nachvollziehen, da einige Fonds hier keine Vertriebszulassung haben. Deshalb will Urban nun für den Herbst eine Österreich-Variante entwickeln. (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.4.2005)

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