Attacken gegen Bund und Wiederwahl Häupls beim Parteitag der SP Wien

18. April 2005, 12:01
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Die Farbenspiele der Wiener Roten: Die Krawatte war orange - das Farbenspiel schwarz-weiß

Wien - "Sind das jetzt die Blauen mit den orangen Tupfen oder die Orangen mit den blauen Tupfen?" - die Krawatte des Wiener SP-Vorsitzenden Michael Häupl war jedenfalls orange. Was aber unerheblich war, da die Farbenspiele beim Wiener Landesparteitag am Samstag so lange fortgesetzt wurden, bis die Farbpalette auf Schwarz-Weiß reduziert war.

Wien werde "verlässlich und stabil regiert" - und auf der anderen Seite wurde "flächendeckender Wahnsinn" konstatiert. Was sich bei Häupl und vor allem beim Bundes-SP-Chef Alfred Gusenbauer von der Lust auf Neuwahlen bis zur regelrechten Urnenbrunft steigerte: "Die unselige Koalition muss endlich den Weg frei machen für stabile Verhältnisse in Österreich." Bei Häupl heißt das: "Ich wünsch mir intensivst, dass die Haltbarkeit dieser Regierung die von Joghurt nicht übersteigt." Vielleicht auch dies eine Anspielung auf frühere Farbenspiele; als Jörg Haider kurz vor der EU-Wahl das Einfärben von Joghurt mit Schildlaushilfe "aufdeckte".

Das Wahlergebnis dieses Samstags war für Häupl jedenfalls hochweiß: Er wurde mit 97,9 Prozent zum Wiener SP-Chef wiedergewählt, das waren um 1,2 Prozent mehr als beim letzten Mal.

Vor der Bekanntgabe des Wahlergebnisses waren bereits die Anträge abgearbeitet worden. Neben vielen Beschlüssen, die sich gegen den Bund richteten, auch einer, der eine andere Linie verfolgt als die Bundes-SP, die sich gegen EU-Verhandlungen mit der Türkei aussprach. Die Wiener SP ist für Verhandlungen - mit Bedingungen wie Abschaffung der Todesstrafe oder Verbesserung der Situation von Kurden beziehungsweise Frauen in der Türkei.

Weiters ein Antrag der Jungen Generation, die will "eine Quote von 20 Prozent Anteil heimischer KünstlerInnen pro Stunde in jedem Programm der öffentlich-rechtlichen Sender". Der Antrag wurde zugewiesen - schließlich gibt es noch einiges zu klären. So müsste eigentlich diskutiert werden, ob etwa das Mittagsjournal für zwölf Minuten Drahdiwaberl unterbrochen würde. Oder ob es reicht, die politische Lage mit heimischer Musik zu untermalen. Etwa mit dem "schneeweißen New-Wave-Schizo-Punk" des Staatssekretärs Franz Morak. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 18.4.2005)

  • Die Krawatte war orange - das Farbenspiel schwarz-weiß. Michael Häupl dankt für die Bestätigung als Wiener SP-Chef und bittet gleichzeitig um Neuwahlen.
    foto: standard/christian fischer

    Die Krawatte war orange - das Farbenspiel schwarz-weiß. Michael Häupl dankt für die Bestätigung als Wiener SP-Chef und bittet gleichzeitig um Neuwahlen.

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