Skepsis bei Lehrlingsförderung

2. Mai 2005, 12:18
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Bartenstein: Zuschuss soll 1000 neue Ausbildungsplätze bringen

Auf Skepsis stößt der Plan von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein, künftig Betriebe zu fördern, die Lehrlinge ausbilden. ÖGB und Arbeiterkammer (AK) sind zwar prinzipiell für den Vorschlag des Lehrlingsbeauftragten der Bundesregierung Egon Blum, das erste Lehrjahr mit monatlich 400 Euro zu bezuschussen. Sie fürchten allerdings eine Geldausschüttung nach dem Gießkannenprinzip. Außerdem fehle dieses Geld dann in dem Topf, aus dem Lehrgänge und -werkstätten gespeist werden, die laut Jugendausbildungsgesetz als Ersatz eingerichtet wurden.

Im Wirtschaftsministerium lässt man diese Rechnung nicht gelten, denn erstens sinke mit jeder neuen Lehrstelle der Bedarf nach Lehrgangsplätzen. Zweitens komme die Direktförderung ausbildungswilliger Betriebe billiger als Lehrgänge, und drittens sollen nur Betriebe bezuschusst werden, die zusätzliche Lehrstellen einrichteten. "Und zwar in Berufen und Branchen, die Zukunft haben", stellt Bartensteins Sprecherin Ingrid Nemec klar. Als Beispiele nennt sie EDV-Kaufmann und Mechatronik, die von der Wirtschaft stark nachgefragt würden. Nachsatz: "Bei einer Frisörin wird's nicht sein."

Um Gießkanne und Missbrauch zu vermeiden, denkt man beim Geldausschütten - pro Lehrstelle im ersten Lehrjahr 4800 Euro, im zweiten 2400 Euro und im dritten 1200 Euro - an strenge Auflagen. Die Rede ist unter anderem von einem Höchstbetrag, den ein Betrieb lukrieren kann.

Den Einwand des ÖGB, mehr Geld erhöhe nicht notwendigerweise die Motivation, vermag man in Bartensteins Ministerium nicht zu entkräften. Mehr als 1000 neue Ausbildungsplätze erwartet man vom "Modell 06", das zu Schulbeginn in Serie gehen soll, auch dort nicht. Blum erhofft sich immerhin bis zu 3000. Billiger als die ersatzweise geschaffenen Lehrgangsplätze wäre das "Modell 06" übrigens allemal: Tausend Lehrplätze würden im ersten Lehrjahr 4,8 Mio. Euro kosten, die Lehrgangsplätze acht.

Wie viele Lehrplätze tatsächlich fehlen, darüber gehen die Meinungen übrigens weit auseinander. Laut AK sind es österreichweit 11.000, im Wirtschaftsministerium hält man diese Schätzung jedoch für weit überzogen.

Wesentlich mehr neue Jobs, nämlich 600.000 in ganz Europa, soll die Liberalisierung des Dienstleistungssektors in der EU bringen. "Die Gefahr des Lohndumpings ist gering in Österreich", meinte Bartenstein in der ORF-"Pressestunde", denn auch polnische Installateure müssten ortsübliche Löhne zahlen und österreichische Gesetze einhalten. Die Richtlinie, mit der die EU-Kommission abgeblitzt war, will Bartenstein unter Österreichs Ratspräsidentschaft 2006 durchbringen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.4.2005)

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