"Barbarei" des ORF bei Gala "50 Jahre Fernsehen"

27. Dezember 2005, 16:39
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Publizist und ehemaliger "Club 2"-Leiter Huemer vermisste bei der Sendung Fernsehspiele und Information

Hätte Heide Schmidt Peter Huemer bloß nicht Sonntagmittag zur Podiumsdiskussion des Instituts für eine offene Gesellschaft über Fernsehen und öffentlich-rechtlichen Auftrag geladen. Der Publizist und langjährige Leiter von "Club 2" und "Im Gespräch" hätte sich einen "eher abschreckenden" Samstagabend mit der ORF-Gala über "50 Jahre Fernsehen" erspart.

So aber sah Huemer, wie der ORF den - "für die Geschichte des ORF absolut zentralen - gesamten Infobereich" aussparte, weil er "den Unterhaltungsduktus der Show gestört hätte". Huemer hätte vom ORF zu 50 Jahren Fernsehen eine Dokumentation erwartet, präsentiert etwa von Armin Wolf oder Helene Maimann.

So sah er "jede Samstagabendshow" aus 50 Jahren vorkommen, nicht aber die großen Fernsehspiele der Sechziger- und Siebzigerjahre. Allein die "Alpensaga" zu erwähnen "reicht nicht". Die legendäre ORF-Produktion der "Geschichten aus dem Wienerwald" völlig zu verschweigen ist für Huemer - siehe Kulturauftrag des ORF - schlicht "Barbarei".

Mit der Gala habe die Anstalt "weniger über 50 Jahre Fernsehen gesagt als viel mehr über das Selbstverständnis des ORF heute".

Friedhelm Frischenschlager, früher Abgeordneter des Liberalen Forums, hilft heute im Kosovo, öffentlich-rechtliches Fernsehen aufzubauen. Sein Eindruck von den Regierenden: "Ich bin an der Macht, also gehört der Öffentlich-Rechtliche mir." "Im Kosovo oder hier?", fragt Heide Schmidt da. Huemer über ORF und Politik heute: "Es gibt immer noch eine Steigerung von Unabhängigkeitsverlust und Einflussnahme." (fid/DER STANDARD, Printausgabe, 18.4.2005)

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    foto: orf
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