Schlafen oder auf Istanbul schauen

5. Juli 2005, 16:48
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Schaukasten am Brunnenmarkt - ein kleiner Aussichts-Gastro-Stand mit Blick auf "Klein Istanbul"

Mit einer der Gründe dafür, Kunst in den öffentlichen Raum zu stellen, sind ja die Reaktionen des nicht eingeweihten Publikums. Also jener Menschen, die den selbstgefälligen Kunstschwurbelductus weder verstehen und die sich auch nicht für Dinge wie eine "Metaebene" interessieren.

Ganz wie im Märchen von Kaisers neuen Kleidern kommt da ungefiltert und direkt, was Anna Durchschnitt und Otto Normalverbraucher sich so denken. Und als sich Clemens Novy da in dem von ihm mit Jetti Renner und Kili Schmid gemeinsam betriebenen "Schaukasten" am Brunnenmarkt zur Ruhe begab, tönte es vom Nachbarstand prompt: "Der hatte sicher Streit mit der Frau." Und damit war das eigentliche Thema des Schauraumbewohnens ("Austria@home / Bieda heute": Bett, Buch und biedere Lampe) vom Tisch.

Freilich erfüllt der Schaukasten am Brunnenmarkt auch eine andere Funktion: Er ist (oben) ein kleiner Aussichts-Gastro-Stand mit Blick auf "Klein Istanbul" - eben den Brunnenmarkt. Demnächst soll der Stand auf Reisen gehen. Durch Wien - und nach Echt-Istanbul. Schließlich soll es ja sogar in Wien Menschen geben, die über die Stadt am Bosporus reden, ohne je dort gewesen sein. (DER STANDARD - Printausgabe, 16./17. April 2005)

  • Ruhe finden im Schaukasten am Brunnenmarkt mit Blick auf "Klein Istanbul".
    foto: thomas rottenberg

    Ruhe finden im Schaukasten am Brunnenmarkt mit Blick auf "Klein Istanbul".

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