Schwimmen im Schilchersee

2. Mai 2005, 12:06
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Ein spektakuläres Tourismusprojekt soll eine neue, "geflutete" Dimension des steirischen Schilcherlandes eröffnen - um 140 Millionen Euro. Aber: Die Spielberg-Angst geht um

Graz - "Ich habe irgendwie das Gefühl, es interessiert die Politiker in Graz nicht", bedauert Peter Schuster. Wenn weiter keine Unterstützung komme, werde er mit dem "Wasserwelt"-Projekt womöglich weiterziehen. In ein anderes Bundesland oder ins Ausland.

Seit fünf Jahren arbeitet der Bio-Energieexperte Schuster mit einem Entwicklungs-Team an der Umsetzung eines ziemlich spektakulären "See-Park"-Projektes im südsteirischen Schilcherland. Die Projektgesellschaft ist gegenwärtig dabei, die Umweltverträglichkeitserklärung vorzubereiten. Die Gruppe steckte bereits 250.000 Euro in diverse Vorplanungen und Machbarkeitsstudien.

Wasser-Wunderpark

Mitten im Weinland südwestlich von Deutschlandsberg soll nach den Plänen der Gruppe um Schuster eine 50 Hektar große Fläche geflutet werden, der gesamte Wasser-Wunderpark soll 180 Hektar umfassen. Investitionsvolumen: 140 Millionen Euro.

Die Bürgermeister der Anrainergemeinden sehen eine "große Chance für die Region", Bürgerinitiativen gebe es bislang keine, sagt etwa der Bürgermeister von Aibl, Karl Galler. Was kaum verwundert. Wasser-Park-Initiator Schuster: "Wir sind hier eine wirklich sterbende Region, die Jungen ziehen weg, es bleiben nur die Alten zurück. Mit dem Tourismusprojekt könnte dieser vergessene Winkel der Steiermark endlich belebt werden. Derartige Freizeitparks sind weltweit eindeutig die Zukunft des Tourismus." Bürgermeister Galler pflichtet bei: "Wir stehen dem Projekt sehr, sehr positiv gegenüber."

Der Ferien- und Freizeit-"See-Park" könnte nach den Vorstellungen der Initiatoren ganzjährig genutzt werden. Teile der Wasser-Erlebniswelt werden mit einer Glaskuppel überdacht sein, tropische Palmenatmosphäre soll zwischen den Weinreben Erlebniskontraste schaffen. Besondere Funfaktoren: Unterwassercafé, überdachter Dorfplatz mit Kleinbühne und dutzenden Geschäften und Gourmetstuben, Indoorsurfen, Baumhäuser, ein beheizbares Becken - ein "See-Container" - für's Winterbaden.

Platz für 1500 Besucher

Das Areal soll bis zu 1500 Besuchern Platz bieten, 2000 Betten sollen ringsum in Hotels und in exklusiven Feriendörfern entstehen. Schuster rechnet mit einem jährlichen Umsatz von 60 Millionen Euro. Baubeginn könnte 2007 sein, die Eröffnung 2010.

Investoren seien kein Problem, die stünden parat, sagt Schuster. In- und ausländische Gruppen. Allerdings: "Seit dem Scheitern des Red-Bull-Projektes in Spielberg sind Investoren vorsichtiger geworden. Sie wollen warten, was die Politik macht und die Umweltverträglichkeitsprüfung fertig ist."

In der Politik aber stoße er auf taube Ohren. Schuster: "In der Landesregierung heißt es nur, kommen sie wieder, wenn sie die UVP haben. Dann aber, wenn ich die habe, brauche ich sie nicht mehr, die Politiker." (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.4.2005)

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