Europas Wegbereiter

3. Oktober 2005, 15:27
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Das Netz der Pilgerwege in Europa wird jährlich dichter - Es muss ja nicht immer der Jakobsweg sein ...

Es muss ja nicht immer der Jakobsweg sein. Auch in Österreich und seinen Nachbarländern wird von Jahr zu Jahr ein neuer Pilgerweg oder zumindest ein neues Teilstück eröffnet. Spirituelles Wandern verlagert sich mit einem erneuerten Gesundheitsbewusstsein schön langsam von einem Randgruppenprogramm zum Trend, der neben der profanen Hightech-Variante Nordic Walking bestehen kann.

Einer der kürzesten Wege zum Seelenheil liegt in der Wildschönau in Tirol, dort wurde vor Kurzem der Franziskusweg zu Ehren von Franz von Assisi eröffnet. Der Künstler Hubert Flörl hat den Weg zu einem Bergbauernmuseum mit Naturstein- und Bronzefiguren gesäumt. Wie gesagt, eine Kurzvariante, der Weg ist knappe zwei Kilometer lang.

Im niederösterreichischen Rabenstein an der Pielach beginnt der neu eröffnete Pielacher Pilgerweg nach Mariazell, die neunzig Kilometer Wegenetz sind durchgehend beschildert, für die gesamte Strecke benötigt man ungefähr drei Tage. Schmalspur-Pilger bewältigen den Weg zurück von der Mariazeller Basilika am besten mit der Mariazeller Bahn, die bis nach St. Pölten führt. Das Mostviertel ist generell Station oder Ziel vieler bereits bestehender Pilgerwege, eine mögliche Variante ist die "Via Sacra", die von der Wiener Spinnerin am Kreuz ebenfalls bis nach Mariazell mit Rastmöglichkeit im Zisterzienserstift Lilienfeld führt. Angebote zum Pilgern gibt es jedenfalls vonseiten des Mostviertels genügend, man kann die Strecke in Etappen von drei oder vier Tagen zurücklegen, zwei Übernachtungen in einfachen Gasthöfen gibt es ab 66 € pro Person, für 15 € extra auch einen Gepäckservice.

Das bisher umfassendste Netz bietet aber die Via Nova zwischen Metten in Bayern und St. Wolfgang in Österreich. Der europäische Pilgerweg wurde von der EU gefördert und versteht sich als 280 Kilometer lange Möglichkeit zur Selbstfindung. Der spirituelle Aspekt scheint dem Team von Via Nova wichtig zu sein, wenngleich man die Strecke nicht als Buß- oder Leistungsweg verstanden wissen will. So stellt man den Wandernden auf Wunsch auch "spirituelle Wegbegleiter" zur Verfügung, der Weg führt eindeutig in eine religiöse - wenngleich auch ökumenische - Richtung. Im Vordergrund steht jedenfalls der Gedanke, ein Stückchen des Weges miteinander zu gehen, wie es in einer Art Charta der Via Nova formuliert wird. Hinter den etwas sperrigen Titeln wie "Ich bin es, ich, der mit Dir spricht" verbergen sich Pauschalangebote mit "ausgebildeten Pilgerführer/innen", übernachtet wird in einfachen Pensionen zu moderaten Preisen. Das Pilgerprogramm mit neun geplanten Touren und eine ausführliche Wegbeschreibung für Einzelgänger bekommt man bei Via Nova. (saum, Der Standard, Printausgabe, 16./17. 04. 2005)

  • Pilgern, die geistreiche Form des Wanderns, ist wieder gefragt. Die Via Nova, führt durch Teile von Bayern und Österreich.
    foto: via nova

    Pilgern, die geistreiche Form des Wanderns, ist wieder gefragt. Die Via Nova, führt durch Teile von Bayern und Österreich.

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