[dag]: Gipfel des Staubes

4. Mai 2005, 17:18
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Was macht die Politik mit einem anstehenden Problem? Man macht einen Gipfel darüber

Ein Problem gilt erst als problematisch, wenn es der Politik medial so nahe getreten wurde, dass es ansteht. Nun, wir haben endlich wieder ein Problem, das ansteht, so luftig es auch daherkommt. Es ist der gute alte "Feinstaub".

Was macht die Politik mit einem anstehenden Problem? - Sie sitzt es entweder aus (Sitzung). Oder sie sagt "Guten Tag" dazu (Tagung). Oder sie lädt Experten ein, die "Guten Tag" dazu sagen. (Fachtagung). Oder sie bildet eine Menschenkette um es herum (Arbeitsgruppe). Oder sie behandelt es so lange, bis es sich erschöpft hat unter dem Druck der geistig damit Beschäftigten (Seminar). Oder sie malträtiert es so lange, bis es sich aufgelöst hat im Säurebad professioneller Lösungsansätze (Symposion).

Muss man damit rechnen, dass das Problem alle oben genannten Veranstaltungen dahingehend übersteht, dass es nachher noch immer ansteht, dann gibt es nur noch eine (österreichische) Möglichkeit: Man muss es kidnappen, abriegeln und zudecken. Mit anderen Worten: Man macht einen Gipfel darüber. Im konkreten Fall richtet man einen "Feinstaubgipfel" ein. Staubt es vom Gipfel zu sehr herunter, dann schnürt man am Fuße desselben ein "Feinstaubpaket". Und basta. (DER STANDARD, Printausgabe, 16./17. April 2005)

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