"Das Problem sind die Banker"

2. Mai 2005, 12:45
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Bank Burgenland-Chef Wolfgang Ulrich lobt im STANDARD-Interview die Mindeststandards für das Kreditgeschäft und kritisiert "eitle, machtverliebte" Banker

STANDARD: Die Finanzmarktaufsicht (FMA), hat diese Woche die Mindeststandards für das Kreditgeschäft (MSK) präsentiert, die in der Bankbranche sehr umstritten sind. Der Absturz der Bank Burgenland hätte verhindert werden können, hätte es damals schon die MSK gegeben, argumentiert die FMA. Geben Sie ihr Recht?

Ulrich: Ja. Der Chef der Bank Burgenland hat damals ganz allein gewirtschaftet, es gab kein System mit gleichwertigen Organen hinter ihm, über die er nicht drüberfahren konnte.

STANDARD: Mit der Trennung zwischen Kreditvergeber und Risiko-Kontrollor sind faule Kredite zu verhindern?

Ulrich: Ja, wenn die Trennung bis hinauf in den Vorstand durchgehalten wird. Denn in der Praxis beginnt das Problem bei der Kultur, die im Vorstand herrscht. Es ist sehr oft so, dass jener, der Bedenken gegen einen Kredit äußerst, als Bremser abgetan wird; und so geht das eben nicht. Und wenn es im Vorstand klappt, dann klappt es auch unten.

STANDARD: Das System der MKS soll die Neinsager ermutigen?

Ulrich: Es soll das begründete Neinsagen ermöglichen. Im Kreditgeschäft ist ja die größte Gefahr nicht bei der Auszahlung, sondern danach, wenn sich die Verhältnisse ändern. Da müssen Banker auch Fehler eingestehen, die sie bei der Kreditvergabe und danach gemacht haben. Je früher sie das tun, umso billiger wird's. Aber das tun Banker sehr oft nicht: Das größte Risiko ist ja der eitle, prestigebewusste Banker mit Hang zur Realitätsverweigerung. Unter ihm sind faule Kredite programmiert.

STANDARD: Das Risiko eitler Banker können aber auch die MSK nicht verhindern.

Ulrich: Nein, aber gewisse Grundsätze muss es geben, und deren Einhaltung müssen eben auch die Bilanzprüfer und Aufsichtsräte überwachen. Künftig sind die p.t. Aufsichtsräte und Bank- und Bilanzprüfer eben auch aufgefordert zu schauen, ob es eine Trennung in Markt und Marktfolge und funktionierende Systeme gibt. Tun sie das nicht und entsteht daraus ein Schaden, müssen sie eben brennen - wie die Prüfer der Bank Burgenland.

STANDARD: Die MSK haben nur Empfehlungscharakter, Sanktionen gibt es nicht. Wer lässt sich davon beeindrucken?

Ulrich: Das passt schon so, ist ein Versuch, die Vorschriften des Bankwesengesetzes BWG auszufüllen.

STANDARD: Vor allem die dezentralen Sektoren Raiffeisen und Sparkassen kritisieren die FMA wegen der MSK. Verstehen Sie die Aufregung?

Ulrich: Nein. Sie behaupten, die Bürokratie werde größer, aber dann sollen sie halt schauen, wie sie die Empfehlungen so umsetzen, dass die Systeme Sinn machen.

STANDARD: Die FMA will mit den Standards "Golfplatzkredite" verhindern, bei denen der Chef einen Kredit im Alleingang vergibt. Spielen solche Kredite noch eine Rolle?

Ulrich: Sicher gibt es die, alle kaputten Kredite kommen so zustande. Das größte Risiko der Bank sind die handelnden Personen, nicht die Kunden, sondern die Mitarbeiter und ganz besonders der fürs Kreditgeschäft zuständige Vorstand. Nach meiner Erfahrung entstehen die größten Risiken nicht bei Krediten für den Mittelstand, sondern bei großen Geschichten, bei denen es auch ums Prestige geht. Die Eitelkeit und die Macht sind das Problem, weil ein bissl Macht hat man schon, wenn man Geld verleihen darf. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.4.2005)

Zur Person

Wolfgang Ulrich (65), ist seit 2001 Chef der Bank Burgenland, die nach der Hom-Rusch-Pleite fast Bankrott ging. Ulrich war zwischen 1976 und 1997 im Erste-Bank-Vorstand für das Kreditgeschäft zuständig.

Das Gespräch führte Renate Graber.
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    Bank Burgenland-Chef Wolfgang Ulrich kritisiert, dass Banker oft ihre Fehler nicht eingestehen.

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