Wider die gängigen Hörgewohnheiten

28. April 2005, 20:42
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Grenzüberschreitung entlang vieler Richtungen am 22. April beim Donaufestival in Krems: Foetus und Zeitkratzer live - Mit Erstaufführung

Das über 20-jährige Schaffen von Foetus in Kürze darzustellen, grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit. Seine Musik folgt keiner wiederkehrenden Formel, auch stilistisch zeichnet sich Foetus’ Schaffen von Offenheit aus, formale Grenzen lässte er hinter sich: Mal arbeitet er mit Bigband-Elementen, mal mit Stilmitteln der Musique concrete oder Orchester-Parts, mal wechselt er zwischen World Music, Punkrock, futuristischem Hardcore und industriellem Noise und packt all das auch oft in einen einzigen Song, oder auf eine einzige Platte.

Erstaufführungen

Verständlich, dass Foetus, Clint Ruin, Steroid Maximus, Manorexia, Frank Want oder Phillip Toss - einige der vielen Namen, die sich der in Australien geborene Künstler JG Thirlwell bislang zugelegt hat, es nicht gerne sieht, in eine Kategorie gepresst zu werden. Für ihn ist Foetus in erster Linie Foetus-Musik. Seit den späten siebzigern hat der Solo-Künstler fast 50 Tonträger geschaffen. Dazu kommen Kooperationen mit anderen Musikern wie JF Coleman (Cop Shot Cop), Lydia Lunch sowie das Orchester-Projekt Steroid Maximus. Remixes von Bands wie Coil, The The, Front 242, Nine Inch Nails und Red Hot Chili Peppers ergänzen die Liste. Musik ist nicht das einzige Betätigungsfeld von Foetus, er gestaltet auch seine Albumcover selbst.

Im Auftrag des donaufestival 05 wird JG Thirlwell zwei Erstaufführungen an einem Abend präsentieren. Im ersten Teil des Abends dirigiert er sein Konzept-Orchester Steroid Maximus. Drei Trompeten, zwei Trombonen, drei Violinen, Viola, Cello, Holzblasinstrument, zwei Keyboards, Konzert-Perkussion, Latin-Perkussion, Bassgitarre und Trommeln geigen dabei auf. Im zweiten Teil wird er als Elektroniker und Sänger zusammen mit dem Trompeter Steve Bernstein und dem Orchester erstmals sein neues, im Mai erscheinendes, Foetus-Album "LOVE" live präsentieren.

Zeitkratzer

Ein Fest für die Ohren ist auch zuvor in der Minoritenkirche garantiert. Das Ensemble Zeitkratzer zählt gegenwärtig zu einer der tonangebenden Formationen im Bereich der zeitgenössischen Musik. Aus den Welten der improvisierten und komponierten, experimentalen Musik, als auch aus Rock und Pop kommend, provoziert es seit 1997 gängige Hörgewohnheiten, auch durch Cover-Versionen unterschiedlicher Werke von John Cage über Deicide bis zu Throbbing Gristle. Das Spektrum der rund um den zehn-köpfigen Kern der Band angesiedelte Schaffen wird mit Kollaborationen angereichert, die auf die vielfältigen Richtungen hinweisen, in die und über die sich Zeitkratzer (hinweg)bewegt: Merzbow, Terre Thaemlitz, Lee Ranaldo (Sonic Youth), Lou Reed, Helmut Oehring oder Elliott Sharp. Gleich zweimal gastieren sie im Zuge des Donaufestivals in Krems, und geben eine Auswahl ihrer vielfältigen Arbeit wieder. (cra)

  • 22. April 
JG Thirlwell
"Steroid Maximus"

"Foetus"
Steve Bernstein - Dirigent
JG Thirlwell - Stimme/Elektronik
Auftragswerk
    foto: donaufestival/sebastian mylnarski

    22. April

    JG Thirlwell "Steroid Maximus"

    "Foetus" Steve Bernstein - Dirigent JG Thirlwell - Stimme/Elektronik Auftragswerk

  • 22. April
zeitkratzer

James Tenney: never written a note for percussion John Cage: Radio Music Nam June Paik: Solo for Violin Reinhold Friedl: no-no?!

23. April
Noise! Merzbow aka Masami Akita: Yahowa Stackridge Zbigniew Karkowski: White Merzbow aka Masami Akita: Crack Groove Lou Reed: Mental Machine Music, Part 4
    foto: donaufestival/david heerde

    22. April

    zeitkratzer

    James Tenney: never written a note for percussion
    John Cage: Radio Music
    Nam June Paik: Solo for Violin
    Reinhold Friedl: no-no?!

    23. April

    Noise!
    Merzbow aka Masami Akita: Yahowa Stackridge
    Zbigniew Karkowski: White
    Merzbow aka Masami Akita: Crack Groove
    Lou Reed: Mental Machine Music, Part 4

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