Björn Kleinhenz: "Trans Pony"

7. November 2005, 17:16
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Gitarrenpop mit "Americana"-Zügen von einem überaus umtriebigen jungen Schweden

If I had three wishes
I'd make you my first
I'd throw away the second
And give you my third ...

Hier birst jemand schier vor Liebe, und eine ziemliche Portion Wehmut legt er auch noch mit hinein: Weggehen und Hoffen, Zurückkommen und wieder Hoffen - gar nicht so weit entfernt von Björns wahrer Lebensgeschichte. In Deutschland geboren, wuchs Björn Kleinhenz im südschwedischen Småland heran, begann Musik zu machen und in mehreren Bands zu spielen, bis er aus der letzten ausstieg, um für einige Zeit nach Irland zu gehen.

... und nach der Rückkehr ging's dann so richtig los: 2003 stieß sein Solo-Debüt "Yeah baby whoohaa" auf großes Echo in Schweden, 2004 folgte "Trans Pony", das jetzt über just50.at auch in Österreich vertrieben wird; ein brandneues "Album" ist im Jänner im mp3-Format erschienen.

Rebel against your teachers
And put your toothbrush next to mine

Als Nina Persson vor ein paar Jahren - mit dem Bekanntheitsvorsprung der Cardigans-Herkunft aber auch der Hypothek der Pop-Flötestimme - das Schlagwort "Eurocountry" in eine Menge neuer Haushalte trug, stellte sich vielen die Frage: Kann's das überhaupt geben? - Doch, das geht schon; wenn man es auch nicht unbedingt so nennen sollte. Gerade in einem Land mit so weiten unbewohnten Flächen, wo Schirmkappentragen weniger für urbane Streetwear als für Jagen und Fischen gehen steht, hat sich Singer/Songwritertum mit mehr "Americana"-Elementen anreichern können, als es hier bei uns möglich wäre. - Es sei denn mit heftigem Augenzwinkern, Stichwort: Lassiter.

Kristofer Åström und Nikolai Dunger könnte man als Vergleichsgrößen heranziehen - und von außerhalb Schwedens Josh Rouse oder gar - von der Stimmlage her nämlich nicht so unpassend, wie der große Name es glauben machen könnte - Neil Young. In 23-jähriger Version, allerdings. Hört man die Gitarren von "Leipzig Lover", kann man sich wiederum an The Smiths erinnert fühlen.

Wenn Björn Kleinhenz (z.B. in "Jacky") mitunter die Stimme quetscht, scheint das tatsächlich ein Zugeständnis an Country zu sein. "Trans Pony" in Gesamtheit bewegt sich jedoch eher in einer Schmittmenge aus Folk, Americana und Gitarrenpop. Und ist - typisch für skandinavische Musik - stets überaus auf Harmonie bedacht und trotz der immer wieder durchklingenden Melancholie stets luftig und leicht. Als Instrumentarium reicht eine klassische Besetzung aus Gitarre (meist akustisch), Bass, Schlagzeug und einer sanft schummernden Orgel; dazu singt sich Björn die Seele aus dem Hals.

Let us wash these streets
Let us tap our feet
There is more to see
There is lust and greed

"Trans Pony" wurde mit-produziert von Björn Olsson (von Union Carbide Productions und The Soundtrack of Our Lives), der Sorge trug, dass Kleinhenz' Liedern trotz der ruhigen Grundstimmung soviel Schwung verbleibt, dass sie weder tranig wirken noch in Schönheit sterben.

... und Kleinhenz selbst ist sowieso in Dauerbewegung: neben einem wachsenden Tonträger-Output hat sich der Musiker in den letzten Jahren in einen Tour-Marathon gestürzt, teils in eigener Sache, teils als Gastmusiker bei einer ganzen Latte befreundeter Bands, der ihn nun auch nach Österreich führt. Bei zweien der Auftritte wird er die Bühne mit Thomas Denver Jonsson teilen, einem weiteren Namen aus Schweden, der unter "Americana" zu einzureihen wäre. Und dann geht's schon wieder weiter nach Deutschland. - Nur keinen Stress vermeiden, die Ruhe kommt schon mit den Songs.
(Josefson)

  • Björn Kleinhenz: "Trans Pony" (Johnny bråttom/just50.at)
    coverfoto: johnny bråttom/just50.at

    Björn Kleinhenz: "Trans Pony" (Johnny bråttom/just50.at)

  • Artikelbild
    foto: maria olson
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