Dämpfer für die Industriekonjunktur

2. Mai 2005, 12:11
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IV schlägt Wiedereingliederungshilfe für Arbeitslose über Lohnsubvention vor - Österreich-Aktie bekommt politische Turbulenzen zu spüren

Wien - Österreichs Industriekonjunktur hat einen Dämpfer abbekommen. Das Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung (IV), welches als Mittelwert aus gegenwärtiger und künftiger Geschäftslage berechnet wird, ist gegenüber der Winterumfrage um 10 auf 19 Punkte gefallen. Die Verschlechterung des Geschäftsklimas sei vor allem auf das konjunkturelle Zwischentief zu Jahresbeginn zurückzuführen, so IV-Generalsekretär Markus Beyrer am Freitag bei der Präsentation der jüngsten Konjunkturumfrage. Die Einschätzung der Geschäftslage für die kommenden sechs Monate habe sich hingegen kaum verändert. Dank stabiler Kapazitätsauslastung sei auch die Gefahr eines forcierten Personalabbaus gebannt. "Der Aufschwung hält an, allerdings mit Seitenstechen", so Beyrer.

"Standortpolitische Impulse notwendig"

Wachstumspolitik müsse gute Standortpolitik sein, so Beyrer. Angesichts des moderaten Wachstumstempos und der hohen Arbeitslosigkeit seien standortpolitische Impulse notwendig. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns bezeichnete Beyrer als kontraproduktiv. Dies habe nachweislich negative Arbeitsplatzeffekte für Junge, ältere Arbeitnehmer und für Frauen. Als Alternative schlägt Beyrer auf 6 Monate begrenzte Wiedereingliederungshilfen für Arbeitslose über Lohnsubventionen vor. Die Finanzierung müsste aus den Mitteln des Arbeitsmarktservice (AMS) erfolgen, das sich dadurch im Gegenzug Ausgaben für Arbeitslosengeld erspart. Die Eingliederungshilfe für rund 10.000 Arbeitslose würde nach IV-Berechnung rund 35 Mio. Euro kosten.

Die bei 437 Unternehmen mit 241.500 Beschäftigten vierteljährlich durchgeführte IV-Konjunkturumfrage ergab im Detail eine deutlich ungünstigere Geschäftslage als zuvor. Der Saldo aus den Prozentanteilen positiver und negativer Beurteilungen hat sich nahezu von 44 auf 25 Punkte halbiert. Gleichzeitig haben sich die Gesamtauftragsbestände immer mehr von den Rekordwerten des Vorjahres entfernt, betonte der IV-Chefökonom Christian Helmenstein. Ursache dafür sei neben dem exporthemmenden hohen Euro auch die durch die anhaltend hohen Öl- und Rohstoffpreise abgeschwächte Mengenkonjunktur auf den internationalen Märkten. Die Unternehmen erwarten zwar eine saisonübliche wieder steigende Produktion während des zweiten Quartals. Saisonbereinigt werde die Kapazitätsauslastung allerdings nur noch geringfügig zunehmen.

Ertragslage drastisch verschlechtert

Die Ertragslage der Unternehmen habe sich jedoch drastisch verschlechtert, so Helmenstein. Dies sei auf die ungünstige Preisentwicklung auf den Absatzmärkten zurückzuführen. Lediglich 27 Prozent der befragten Unternehmen bewerten in der aktuellen Umfrage ihre Ertragslage als gut, während 20 Prozent diese als schlecht beurteilen. Für eine weiterhin stabile Konjunkturlage spreche die Tatsache, dass lediglich zwei Branchen, nämlich die Gießereien und die Papierindustrie, einen negativen Saldo von positiven und negativen Einschätzungen aufweisen.

Die Österreich-Aktie dürfte die aktuellen politischen Turbulenzen zu spüren bekommen haben. Erstmals nach sechs Quartalen verzeichnete die Aktie einen Rückgang und hat bei einem Wert von 75 die Zuwächse seit dem 2. Quartal 2004 wieder eingebüßt. Die Kursentwicklung basiert auf einer Befragung von 13 Experten zur Konjunktur zur politischen Situation und zu Standortbedingungen. Während sich die Einschätzungen zum Standort verbesserten, fielen die Einschätzungen zur Konjunktur und zur politischen Situation zur letzten Befragung von 3 Monaten ungünstiger aus. (APA)

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