Kärnten holt sich früher Geld - IPO von Hypo Alpe-Adria auf 2007 vorgezogen

2. Mai 2005, 12:24
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Im Juni kommt die Wandelanleihe, die 500 Millionen Euro ins brustschwache Land Kärnten spülen soll

Wien/Klagenfurt - Die Kärntner Hypo Alpe-Adria-Bank International AG macht nun früher als geplant Ernst mit ihrem "Börsengang in zwei Phasen". Wolfgang Kulterer, der Chef des Instituts, das mit 52 Prozent mehrheitlich dem Land Kärnten gehört (Rest: Grazer Wechselseitigen, Grawe), gab bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Wien den fixen Fahrplan bekannt. "Die Wandelanleihe kommt im Juni, der Börsengang im Frühjahr 2007."

Ursprünglich war der Börsengang für 2008 vorgesehen; dafür wird die für Ende April angekündigte Wandelanleihe auf Juni verschoben. Möglicherweise, ist in Kärnten zu hören, gibt es noch Probleme bei den Großanlegern. Einer der Wunschpartner soll ja Magna-Boss Frank Stronach sein, aber auch Infineon Villach.

Hypo-Chef Kulterer begründete das Vorziehen mit dem "guten Verlauf der Vorbereitungen". Druck für einen raschen Börsengang dürfte aber vor allem das Land Kärnten gemacht haben. Braucht man doch dringend frisches Geld für den extrem angespannten Kärntner Landeshaushalt; für Projekte wie Koralmtunnel oder Landeskrankenhaus.

Wandelanleihe und Börsengang zusammen könnten an die 740 Mio. Euro bringen. Ursprünglich sollte das Geld zur Gänze in den "Zukunftsfonds" fließen, um daraus regionale Projekte zu finanzieren. Doch 197 Mio. sind bereits fix für die Budgets 2005 bis 2009 verplant, um die dringendsten Budgetlöcher zu stopfen. Allein 50 Millionen sind für das Wahljahr 2009 reserviert.

Familiensilber dahin

Trotz des Ausverkaufs beinahe des gesamten Familiensilbers ist die Schuldenentwicklung des Kärntner Landeshaushaltes wieder rasant im Ansteigen. Und es gilt, noch teure Wahlversprechen zu erfüllen, etwa Jörg Haiders Pflegescheck, Geburtenprämie, Mütterpension. Und die Hypo Alpe-Adria Bank ist das letzte Juwel des Kärntner Familienschatzes. Übrigens hat die Kärntner FPÖ bis 2014 ihre Parteienfinanzierung an die Hypo verpfändet; ein Faktum, das Kulterer trotz der Parteiturbulenzen für "kein Problem" hält.

Durch den Verkauf über die Börse will sich das Land, genauer die Kärntner Landesholding, auf 25 Prozent plus eine Aktie, also die Sperrminorität, zurückziehen. Die Grawe wird danach 40 bis 42 Prozent halten; der Streubesitz soll bei 30 Prozent liegen. Den Unternehmenswert bezifferte Kulterer aktuell mit 1,8 bis 2,2 Mrd. Euro, beim Börsengang solle er 2,5 bis drei Milliarden Euro betragen.

Im Rahmen der Vorbereitungen des Initial Public Offering (IPO) haben Land und Grawe auch einen neuen Syndikatsvertrag unterschrieben. Einer der Kernpunkte, verriet der Bankchef: Landesholding und Grawe hätten sich verpflichtet, ab Börsengang mindestens sieben Jahre lang die Grenze von 50 Prozent plus eine Aktie "nicht zu unterschreiten".

Die "erste Phase des Börsengangs" (Kulterer) beginnt nun also im kommenden Juni. Da begibt die Hypo Alpe-Adria auf Rechnung der Landesholding eine Wandelschuldverschreibung im Volumen von 500 Mio. Euro, die Laufzeit beträgt "zwei bis drei Jahre". Platziert wird ausschließlich bei institutionellen Anlegern. Kulterer hat sich die Freiheit der Wahl ausbedungen: "Wir haben das Recht, Anleihezeichner - etwa Konkurrenzbanken - abzulehnen. Wir wollen bei der Umwandlung in Aktien keine ungeliebten Aktionäre erleben."

Fixiert ist jetzt auch die Mitarbeiterbeteiligung. Noch heuer wird eine Mitarbeiterstiftung gegründet, die letztlich fünf Prozent halten soll. Die rund 4300 Mitarbeiter der Bank können (im Rahmen einer Kapitalerhöhung, bei der die beiden Altaktionäre nicht mitziehen werden) Aktien im Wert von insgesamt 90 Mio. Euro kaufen. (Renate Graber/Elisabeth Steiner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.4.2005)

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