"Streber" oder "Störer"

8. November 2005, 11:41
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Hochbegabte Kinder fallen oft negativ auf, weil sie sich langweilen - Das Netzwerk "Begabtenförderung Steiermark" nimmt sich dieses Problems an

Besonders begabte Kinder haben es nicht immer leicht: Sie fühlen sich im Unterricht unterfordert und fallen negativ auf, weil sie sich langweilen - oder sie werden als "Streber" stigmatisiert.

"Junge Menschen mit außergewöhnlichen Begabungen haben ebenso ein Anrecht, in ihrer Eigenart erkannt zu werden und gefördert zu werden", meint die steirische Bildungslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (V). Im Zuge der aktuellen ECHA-Tagung hat sie am Donnerstag das Netzwerk "Begabung- und Begabtenförderung Steiermark" vorgestellt, das flächendeckend und interdisziplinär entsprechende Maßnahmen entwickeln soll.

Bestmögliche Förderung

Im Bereich der Integration von Menschen mit Behinderungen sei man in den vergangenen Jahren "ein großes Stück" weiter gekommen. Die Begabtenförderung müsse "auf das gleiche Niveau" gebracht werden, so Edlinger-Ploder. Für begabte und hoch begabte Kinder, denen das "Regelsystem" zurzeit keine hinreichenden Angebote erstellen kann, sollen daher Strategien und Maßnahmen entwickelt werden, um die vorhandenen Begabungen bestmöglich zu fördern.

Sensibilisierung erwünscht

Alle relevanten Einrichtungen und Institutionen, Experten und Verantwortlichen in ein Netzwerk zur Begabungsförderung eingebunden werden. Mit dabei sind das steirische Zentrum für Begabungs- und Begabtenförderung, der Landesschulrat, die Schulpsychologie sowie der steirischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft. Die Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung zur Thematik bei Eltern, Lehrern und Akteuren aus anderen Institutionen wird dabei groß geschrieben. Ziel des Projektes sei eine in sechs steirische Regionen gegliederte Struktur, die grundsätzlich allen Betroffenen - Begabten, Familien, Lehrern - zugute kommt. Das Land Steiermark stellt dafür über den Zukunftsfonds 360.000 Euro zur Verfügung.

Diagnose: Hochbegabung

Wie man außerordentliche Talente "diagnostizieren" und wie sich neue neurowissenschaftliche Erkenntnisse in die pädagogische Praxis umsetzen lassen wird auf der Tagung der ECHA (European Council for High Ability) erörtert, die noch bis morgen, Freitag, an der Universität Graz stattfindet. Rund 600 österreichische Lehrer wurden in den vergangenen sechs Jahren nach den Prinzipien der ECHA zu Begabtenförderern ausgebildet.

Talente unterstützen

Die Organisatorin der ECHA-Tagung und Landeskoordinatorin für Begabten- und Begabungsförderung im Landesschulrat für Steiermark, Helene Rucker, wünscht sich, dass Begabungsförderung im Schulwesen implementiert wird und Eltern wie Lehrpersonal in der Lage sind, Talente entsprechend zu unterstützen. Um dies auch tatsächlich umsetzen zu können, fordert Rucker die Einrichtung eines "Steirischen Begabungszentrums". Dieses soll in Kooperation mit der Uni Graz entstehen. (APA)

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    Wer viel schneller lernt und versteht als Andere, fühlt sich oft unterfordert und reagiert mit Desinteresse im Unterricht

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