Was man zeigen darf - und was nicht

3. Mai 2005, 15:00
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Diskussion über inszenierte, manipulierte und schockierende Bilder - auch über das "profil"-Cover zur Tsunami-Katastrophe

Inszenierte Bilder, manipulierte Bilder oder Bilder, die Realität zeigen und damit den Betrachter schockieren: Täglich werden Medienkonsumenten damit konfrontiert. Wie die "(All-)Macht der Bilder" wirkt und "was man zeigen darf - und was nicht", wurde am Donnerstag bei einer von "profil" veranstalteten Podiumsdiskussion in Wien erörtert. Das Nachrichtenmagazin selbst hatte Anfang des Jahres mit einem Coverfoto zur Tsunami-Katastrophe die Gemüter erregt.

Tsunami-Cover

Drei aufgedunsene Leichen, die im schlammigen Wasser gleichsam zu schweben scheinen, zeigte das "profil"-Cover. Ein Foto, das die Leserschaft erregte wie kaum ein Aufmacherbild zuvor, so Chefredakteur Sven Gächter.

Thurnher: Foto stellte "Opfer zur Schau"

Nach Ansicht von "Zeit im Bild 2"-Moderatorin Ingrid Thurnher stellte das Foto die "Opfer zur Schau", sie kritisierte, dass dieses keinerlei informativen Mehrwert gehabt habe.

Fotograf: Foto hat Tod "unglaublich ästhetisiert" Manfred Klimek, Fotograf und früherer "profil"-Bildchef, hätte das Foto "nicht genommen", sagte er. Nicht das Sujet, sondern die Art der Darstellung störte ihn. "Es hat den Tod unglaublich ästhetisiert", meinte er. "Es war eine Spur zu schön - zu obszön." Skeptisch sei er auch, "weil ich nie weiß, wie solche Fotos entstehen". Dass Fotografen Leichen "anordnen", sei schon vorgekommen.

Schröder fand das Foto "nicht abstoßend"

Albertina-Chef Klaus Albrecht Schöder dagegen, als Kunsthistoriker nach eigenem Bekunden "konditioniert, auf Details zu schauen", fand das Foto "nicht abstoßend". Die in Medien ansonsten übliche "Weitwinkelperspektive" sei eben "nicht geeignet, die Realität in ihrer ganzen Wucht abzubilden". Viel mehr "Sorge" bereiten ihm Inszenierungen, in denen Ereignisse erst durch mediale Bilder generiert werden.

Veränderte Bilder

"Kronen Zeitung"-Chefredakteur Michael Kuhn glaubt jedenfalls nicht, dass Aufmacher wie jener des "profil" zur Auflagensteigerung beitragen. "Ein abstoßendes Bild stößt den Leser von der Zeitung ab - das habe ich selbst erlebt." Er verwies auf die unzähligen Möglichkeiten, Bilder zu verändern. Da sei auch der "Krone" schon ein "Lapsus" passiert, berichtete er: Weil ein Demonstrations-Foto in der Breite nicht gepasst hatte, habe man es verschmälert. Ein Demonstrant wurde dadurch in die Nähe eines Polizisten gerückt und schien diesen zu bedrohen. "Keine Absicht", beteuerte Kuhn, aber "es hätte nicht passieren dürfen, das weiß ich".

Einigkeit herrschte darüber, dass beim Ableben von Papst Johannes Paul II. die mediale (Bild-)Berichterstattung gerechtfertigt war. "Es war seine Entscheidung, öffentlich zu sterben", sagte Thurnher. Manche Bilder, etwa einige Nahaufnahmen des todkranken Papstes, habe der ORF aber nicht gezeigt. (APA)

Nachlese

"Die Realität abbilden"
"profil"-Chefredakteur Sven Gächter und Erich Schillinger, Art-Direktor, über schockierende Coverfotos und negative Reaktionen

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