Sony erfindet sich neu

25. April 2005, 11:20
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Der japanische Konzern verordnet sich einen Modernisierungsschub und will ein "Content Powerhouse" werden

Der geadelte Brite Howard Stringer (63) nimmt zwar erst am 22. Juni offiziell Platz im Chefsessel der japanischen Sony, doch sein baldiges Kommen lässt bereits jetzt frischen Wind durch das traditionsreiche Unternehmen wehen: Auf der Sony Media Experience 2005 in Bordeaux kündigte der Unterhaltungselektronikkonzern für die nächsten Monate nicht nur ein Feuerwerk an neuen Consumerprodukten an, sondern übte sich auch in bisher ungewohnter Selbstkritik: Sony habe in der Vergangenheit zwar einiges an Entwicklungen verschlafen, gestand Europachef Chris Deering im legeren Pullover ein, "doch kein Unternehmen kriegt immer alle Dinge zur richtigen Zeit gerichtet, und wir werden von unseren Fehlern lernen".

Strategische Fehler

Nach etlichen ertragsschwachen Jahren und strategischen Fehlentscheidungen bei den Produkten, die letztlich im März zum Rücktritt des bisherigen 67-jährigen Konzernchefs Nobuyuki Idei führten, befindet sich Sony derzeit auf halber Strecke bei der Umsetzung eines Restrukturierungsplanes. Nun kommt auch bei den Produkten eine richtungsweisende Änderung. "Wir wollen näher zum Konsumenten", betont Deering, "und wenn Stringer kommt, schalten wir bei unserer Neuausrichtung noch einen Gang höher." Das Werbemotto dazu: Wie keine andere Firma, like.no.other.

Auch Fuijo Nishida, verantwortlich für das weltweite Marketing des Elektronikkonzerns, streute seinem CEO in spe reichlich Blumen. Gemeinsam werde man den einstigen Hardwarehersteller zum führenden "Content Powerhouse" mit Movies und Musik machen. Sir Howard, der sowohl Erfahrung aus dem Elektronik- als auch Entertainmentgeschäft mit bringt, werde Sony auf seine nächste Entwicklungsstufe heben.

Hydraulik

Die Hydraulik wird dabei an allen (Produkt-) Ecken und Enden zum Einsatz kommen - bei den Vaio-Notebooks, DVD-Handycams und Digitalkameras ebenso wie bei LCD-Flatscreen TVs, wo Sony verstärkt auf die HD-Technologie (High Density) setzt. Besonders aber an der Ecke, wo der Erfinder des Walkman - dem weltweit ersten mobilen Kassetten-Abspielgerät und Verkaufsschlager - sich von einem amerikanischen Unternehmen namens Apple trotz verkaufsreifer, aber wegen rechtlicher Bedenken zurückgehaltenen, Produkte links hat überholen lassen: den MP3-Playern.

Online-Musik

Bereits auf der heurigen CeBIT im März hatte der Unterhaltungskonzern, der mit dem Plattenlabel Sony BMG über den erforderlichen Musikcontent und mit dem im vergangenen Sommer halbherzig angekündigten Online-Musik-Angebot Connect über eine Download-Plattform verfügt, 17 neue Geräte angekündigt. Jüngstes und kleinstes davon ist der Network Walkman E407 mit 1GB Flashmemory, der neben dem NW-HD3 mit 20 GB-Festplatte (DER STANDARD berichtete) und dem Apple iPodShuffle bzw. dem "großen" iPod Konkurrenz machen soll. Ob der feuerzeuggroße NW E407 (für etwa 190 Euro) auch nach Österreich kommt, steht noch nicht fest. Ganz sicher aber wird das funktionsreichere Model E507 mit 2GB Flashspeicher und integriertem Radio zu einem Preis von rund 240 Euro zu haben sein.(Karin Tzschentke aus Bordeaux/DER STANDARD, Printausgabe vom 14.4.2005)

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Sony

  • Sony Europa Präsident Chris Deering.
    foto: sony

    Sony Europa Präsident Chris Deering.

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